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Beschlussvorlage

                                    
                                        Stadt Ulm
Beschlussvorlage

Sachbearbeitung

Bildung und Sport

Datum

02.12.2010

Geschäftszeichen

BS-Se

Beschlussorgan

Gemeinderat

Behandlung

öffentlich

Betreff:

Bildungsoffensive

Anlagen:

4

Sitzung am 16.02.2011

TOP
GD 002/11

Antrag:
1.

Vom Bericht Kenntnis zu nehmen.

2.

Die im Haushaltsplan 2011 für die Bildungsoffensive vorgesehenen Haushaltsmittel in
Höhe von insgesamt 5.944.000 Euro werden für nachfolgende Maßnahmen verwendet:
a) für den Ausbau u3-Betreuung in Höhe von 2.215.000 Euro (netto) - Sonderfaktor
2009 + 2010
b) für den Ausbau Kindertagespflege in Höhe von 400.000 Euro (netto),
c) zur Umsetzung Aufsichtspflicht in Höhe von 150.000 Euro,
d) zur Umsetzung des Orientierungsplans in Kindergärten in Höhe von 80.000 Euro
(netto),
e) für das Bildungshaus 3 - 10 in Höhe von 62.000 Euro,
f)

für den Ausbau Kinderbetreuung 2011 in Höhe von 1.420.000 Euro

g) für die Verlässliche Grundschule in Höhe von 613.000 Euro,
h) für die Ganztagesbetreuung an Ulmer Schulen in Höhe von 483.000 Euro,

Genehmigt:
BM 2,FAM,KITA,OB,ZS/F

Bearbeitungsvermerke Geschäftsstelle des
Gemeinderats:
Eingang OB/G
Versand an GR
Niederschrift §
Anlage Nr.

-2i)

zur laufenden Erhöhung Schuletat in Höhe von 150.000 Euro,

j)

für das Projekt Jugendberufshelfer in Höhe von 43.000 Euro,

k) für die Schulsozialarbeit in Höhe von 253.000 Euro,
l)

3.

für die Fortsetzung des Projekts Starthilfe/Ausbildungsreife in Höhe von 75.000 Euro

Soweit die Maßnahmen der Bildungsoffensive finanzielle Auswirkungen, auch auf
künftige Haushaltsjahre haben, stehen sie unter einem Finanzierungsvorbehalt. Konkret ist
über die Durchführung und Finanzierung (insgesamt und für das jeweils betreffende
Haushaltsjahr) im Rahmen der Eckwerte und der Haushaltsberatung zu beschließen. Die
Verwaltung wird beauftragt, rechtzeitig die finanziellen Auswirkungen im Einzelnen
darzustellen.

Sabine Mayer-Dölle

Gerhard Semler

Patricia Götz

-3-

Inhaltsverzeichnis
des Bildungsberichts 2011
Seite

Anlagenverzeichnis

4

Wussten Sie, was...

5

Zusammenfassung

6

I. Beschlussfassungen und Anträge

7

A) Investitionsmaßnahmen im Schulbereich
B)

Konkrete Beschlüsse der Förderung und Betreuung von Kindern und
Jugendlichen im Vorschul- und Schulalter

C) Weitere Anträge der Gemeinderatsfraktionen

7
7
8

II. Rückblick auf 10 Jahre Bildungsoffensive I

10

III. Bildungsoffensive II

13

1.

13

Betreuung an Schulen und Ganztagesschulen

1.1. Steigender Betreuungsbedarf

13

1.2. Das Projekt Grundschul-BBE

14

1.3. Aktueller Stand

14

1.4. Ausblick

16

2.

Berufliche Bildung

16

3.

Inklusion von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen
in das schulische und berufliche Leben
Verstärkte Integration von Kindern und Jugendlichen mit
Migrationshintergrund in das schulische und berufliche Leben

18

4.

19

IV. Darstellung der Ist-Situation anhand von Kennzahlen

20

V. Ausblick auf die nächsten 10 Jahre der Ulmer Bildungsoffensive

21

-4-

Anlagenverzeichnis
Anlage 1

1a - 1k Gemeinderatsanträge

Anlage 2

Bauliche Maßnahmen zur Sicherstellung der Schulraum- und
Sporthallenversorgung

Anlage 3

Auszug aus der Klausurtagung des Gemeinderats (Stadtentwicklung im
demografischen Wandel) am 01.10.2010

Anlage 4

Darstellung der Ist-Situation anhand von Kennzahlen
Teilbereich 1 Zugang zu Bildung ermöglichen - vorschulischer Bereich
Kennzahl 1.1
Kinder mit Sprachdefiziten und Förderbedarf bei der
Einschulungsuntersuchung
Kennzahl 1.2
Betreuung unter 3-Jähriger
Kennzahl 1.2.1
Anzahl belegter Betreuungsplätze bis unter 3 Jahren
Kennzahl 1.2.2
Anteil belegter Plätze bei lizenzierten Tagesmüttern
Kennzahl 1.3
Anteil Ganztagesbetreuung 3 bis Schuleintritt
Teilbereich 2 Bildungspotentiale ausschöpfen - Schulpflichtige
Kennzahl 2.1
Übergangsquoten
Kennzahl 2.1.1
Übertritte in Werkrealschulen (bis Schuljahr 2009/10:
Hauptschulen mit Werkrealschulen)
Kennzahl 2.1.2
Übertritte in Realschulen
Kennzahl 2.1.3
Kennzahl 2.2

Übertritte in Gymnasien
Inanspruchnahme Betreuungsangeboten an Grundschulen
(Verlässliche Grundschule, Flexible Nachmittagsbetreuung,
Ganztagesgrundschule)
Teilbereich 3 Übergang Schule - Beruf
Kennzahl 3.1
Anteil Schulabgänger/-innen aus Hauptschulen mit
Werkrealschulen in städtischer Trägerschaft und Anteil der
Schulabgänger/-innen ohne Hauptschulabschluss

-5-

Wußten Sie, was sich in den letzten 10 Jahren im Rahmen der
Bildungsoffensive verändert hat ?

2000
Ganztagesschulen

2010

2
1
1
-

in %
0%
25 %
25 %
17 %
0%

4
6
2
1
1

Flexible Nachmittagsbetreuung

-

0%

8

33 %

Bildungshäuser

-

0%

4

17 %

Schulen, die Mittagessen anbieten

6

14 %

29

69 %

Jugendbegleiter

-

33

Fahrschüler/-innen (Durchschnitt
pro Monat)

7.343

8.194

Schülerzahlen (Schulen in städt.
Trägerschaft)

22.462

22.372

Anzahl Stellen Schulsozialarbeit

10

11,5

Sachkostenbeitrag

10.529.027 €

12.076.000 €

Betreute Schüler in der
Ferienbetreuung (Verlässliche GS)

-

2.942

-

5
rd. 140.000

Grundschulen
Werkrealschulen
Realschulen
Gymnasien
Förderschulen

Bildungsmessen
mit Besuchern von insgesamt

Kopierpapierverbrauch von 2000 - 2010 insgesamt

+ 3 beantragt
+ 1 beantragt
+ 1 beantragt
(+ 1 ab 2011)

rd. 110 Mio.

in %
17 %
100 %
50 %
17 %
33 %

-6-

Sachdarstellung:

Zusammenfassung
Kennzahlen

Indikatoren

Teilbereich 1
1.2.
Zugang zu Bildung
ermöglichen –
1.2
vorschulischer
Bereich
1.3
Teilbereich 2
2.1.1
Bildungspotentiale
ausschöpfen –
Schulpflichtige
2.1.2
2.1.3
2.2
2.3.2

2.4.1

2.4.2

2.4.3

2.4.4

Teilbereich 3
3.1
Übergang Schule –
Beruf
3.4

Anteil belegter Betreuungsplätze bis
unter 3 Jahre in Prozent
Anteil belegter Plätze bei
lizenzierten Tagesmüttern in
Prozent
Anteil Ganztagesbetreuung 3 –
Schuleintritt in Prozent
Übertritte in Werkrealschulen (bis SJ
2009/10: Haupt- mit
Werkrealschulen) in Prozent
Übertritte in Realschulen in Prozent

Differenz
2010 zu
2000

2000/
2001

2010/
2011

5,3

18,6

+ 13,3

1,2

3,1

+1,9

13

21

+8

32,8

22,5

- 10,3

28,9

30,0

+ 1,1

38,3

47,5

+ 9,2

32,7

+ 22,3

58,1

+ 14,6

16,8

- 7,3

26,7

-2,0

52,5

+ 10,3

4,6

-0,4

3,7

- 9,4

42,8

+ 8,4

Übertritte in Gymnasien in Prozent
Inanspruchnahme Verlässliche
Grundschule in Prozent
10,4
Teilnehmende Schüler/-innen
Ganztagesbetreuung
SJ 03/04
Werkrealschulen in Prozent
44,7
Verteilung auf Schularten
(Klassenstufe 5 – 10)
24,1
Werkrealschule in Prozent
Verteilung auf Schularten
(Klassenstufe 5 – 10) Realschulen
28,7
in Prozent
Verteilung auf Schularten
(Klassenstufe 5 – 10) Gymnasien in
42,2
Prozent
Verteilung auf Schularten
(Klassenstufe 5 – 10) Sonderschulen
5,0
in Prozent
Anteil Schulabgänger/-innen aus
Werkrealschulen (bis SJ 2009/10:
13,1
Haupt- mit Werkrealschulen) ohne
Hauptschulabschluss in Prozent
Abiturientenquote an allgemeinbildenden Gymnasien in Prozent
34,4

Wertung

-7-

I.

Beschlussfassungen und Anträge:
Ausgehend von den Vorgaben der Klausurtagung vom 14./15.09.2000 (GD 289/00) sowie
den Beschlussfassungen des Ulmer Gemeinderats vom 14.02.2001 (GD 42/01), vom
20.02.2002 (GD 34/02), vom 12.02.2003 (GD 12/03), vom 11.02.2004 (GD 02/04), vom
23.02.2005 (GD 02/05), vom 15.02.2006 (GD 02/06), vom 14.02.2007 (GD
02/07),13.02.2008 (GD 02/08), vom 11.02.2009 (GD 02/09) und vom 10.02.2010 (GD
02/10) wurden im Jahre 2010 folgende Themenbereiche in den zuständigen Gremien des
Ulmer Gemeinderats beraten bzw. entsprechende Beschlüsse herbeigeführt:

A)

Investitionsmaßnahmen im Schulbereich:
Eduard-Mörike-Grund- und Werkrealschule
Erweiterung der Sporthalle um eine Einfeldhalle
Kindertagesstätte/Bildungshaus Eselsberg
Neubau
Kindertagesstätte Lettenwald
Neubau
Robert-Bosch- und Ferdinand-von-Steinbeis-Schule
Erweiterung der Gewerblichen Schulen
Schulzentrum Ulm-Wiblingen / Albert-Einstein-Gymnasium / Realschule
Umbau Musik, Chemie im Schulzentrum und Einbau einer Mensa im
Sozialzentrum Ulm-Wiblingen

B)

Konkrete Beschlüsse der Förderung und Betreuung von Kindern und
Jugendlichen im Vorschul- und Schulalter

-

Kindertagesstättenbericht Steuerung 2010/11 (GD 172/10)

-

Bildung, Betreuung und Erziehung - Teilprojekt BBE Grundschule (GD 268/10)

-

Schubart-Gymnasium
Einführung von Italienisch als 3. Fremdsprache (GD 013/10)

-

Bildungshaus Ulmer Spatz GS
Einrichtung einer vollgebundenen Ganztagesgrundschule (GD 141/10)

-

Robert-Bosch-Schule (Gewerbliche Schule I)
Einrichtung eines zusätzlichen Profils "Gestaltungs- und Medientechnik" im
Bildungsgang am Technischen Gymnasium (GD 144/10)

-

Änderung der Satzung über die Gewährung eines Zuschusses zu den notwendigen
Schülerbeförderungskosten (GD 135/10)

-8-

Schulische Bildung von jungen Menschen mit Behinderung in Baden-Württemberg
(GD 229/10)

-

Gustav-Werner-Schule, Schule für Geistigbehinderte mit Berufsschulstufe und
Regionales Ausbildungszentrum Ulm (RAZ) - Einführung der Berufsvorbereitenden
Einrichtung (BVE) (GD 228/10)

-

Neuzuordnung der Schulsozialarbeit und der Jugendberufshilfe an den Schulen (GD
331/10)

-

Einsatz von Pädagogischen Assistenten an Grundschulen in städtischer Trägerschaft
(GD 352/10)

-

Entwicklung eines städtischen Schulschwimmkonzeptes (GD 398/10)

-

Grundschule am Tannenplatz
Einrichtung einer teilgebundenen Ganztagesgrundschule (GD 336/10)

-

IT-Konzept an Schulen in der Trägerschaft der Stadt Ulm
PC-Ausstattung an Werkrealschulen, Realschulen und Gymnasien in städtischer
Trägerschaft (GD 456/10)

-

Integrierte Schulentwicklungs- und Jugendhilfeplanung 2009 - 2025 (GD 379/10)

-

Kepler-Gymnasium
Einführung von Spanisch als 3. Fremdsprache (GD 442/10)

-

Wilhelm-Busch-Schule, Förderschule
Einrichtung einer Ganztagesschule in offener Angebotsform (GD 451/10)

C)

Weitere Anträge der Gemeinderatsfraktionen:
Neben den bereits zur Gemeinderatssitzung am 16.02.2010 vorliegenden Anträgen
wurden im Rahmen der Beratung noch weitere Anträge eingebracht:
-

Antrag der Stadträtinnen Ulrike Lambrecht und Birgit Schäfer-Oelmayer und des
Stadtrats Dr. Richard Böker (GRÜNE-Fraktion) vom 17.03.2010 betr.
Ganztageskonzepte der Ulmer Gymnasien (siehe Anlage 1a).
Auf die Stellungnahme vom 30.03.2010 wird verwiesen (siehe Anlage 1b)

-

Antrag der Stadträtinnen Dorothee Kühne, Dr. Susanne Grimm und Lisa-Barbara
Schanz und der Stadträte Martin Rivoir und Dr. Haydar Süslü (SPD-Fraktion) vom
15.04.2010 betr. Ausbau der Grundschulen zu Ganztagsschulen (siehe Anlage 1c).
Behandlung im Jugendhilfeausschuss am 29.06.2010 und Fachbereichsausschuss
Bildung und Soziales am 07.07.2010 (GD 268/10).

-

Antrag der Stadträtinnen Dr. Karin Graf, Jessica Kulitz und Barbara Münch und der
Stadträte Dr. Thomas Kienle, Dr. Hans-Walter Roth, Winfried Walter und Christof

-9Nagel (CDU-Fraktion), vom 21.06.2010 betr. Suchtprävention für Ulmer Schüler
(siehe Anlage 1d).
Auf die Stellungnahme vom 23.08.2010 (siehe Anlage 1e) wird verwiesen.
-

Antrag der Stadträtinnen Barbara Münch, Jessica Kulitz, Dr. Karin Graf und der
Stadträte Dr. Thomas Kienle und Winfried Walter (CDU-Fraktion) vom 06.07.2010
betr. Raumprogramm für den Neubau einer Kindertagesstätte/Bildungshauses am
Eselsberg (siehe Anlage 1f).
Behandlung im Fachbereichsausschuss Bildung und Soziales am 07.07.2010 und
Fachbereichsausschuss Stadtentwicklung Bau und Umwelt am 28.09.2010 (GD
193/10).

-

Antrag von Stadträtin Hanni Zehendner und Stadtrat Reinhold Eichhorn (FWGFraktion) vom 06.07.2010 betr. Schlauer essen - besser lernen (siehe Anlage 1g).
Auf die Stellungnahme vom 30.07.2010 (siehe Anlage 1h) wird verwiesen.

-

Antrag der Stadträtinnen Ulrike Lambrecht und Birgit Schäfer-Oelmayer (GRÜNEFraktion) vom 16.07.2010 betr. Bildungshaus am Eselsberg (siehe Anlage 1i).
Behandlung im Fachbereichsausschuss Stadtentwicklung, Bau und Umwelt am
28.09.2010 (GD 326/10).

-

Antrag der CDU-Fraktion vom 04.08.2010 betr. Schulsozialarbeit an Realschulen
(siehe Anlage 1j).
Behandlung im Jugendhilfeausschuss am 29.09.2010 und Fachbereichsausschuss
Bildung und Soziales am 06.10.2010 (GD 331/09).

-

Antrag der CDU-, FWG-, GRÜNE- und SPD-Fraktion vom 10.12.2010 betr.
Umorganisation der Migrationsarbeit (siehe Anlage 1k).
Behandlung im Gemeinderat am 15.12.2010

- 10 -

II.

Rückblick auf 10 Jahre Bildungsoffensive I

Bereits vor der PISA-Studie und dem damit verbundenen „Bildungsschock“, der durch Deutschland
ging, startete die Stadt Ulm im Jahr 2000 ihre Bildungsoffensive. Heute blicken wir auf 10
arbeitsintensive Jahre zurück, in denen die Stadt Ulm ihre Bildungslandschaft aktiv entwickelt hat.
Visionen und praktische Vorschläge fanden und finden immer wieder Eingang in die kommunale
Bildungspolitik und Bildungspraxis. Selbst in Zeiten globaler Finanz- und Wirtschaftskrisen blieben
Bildung, Betreuung und Erziehung von den Sparzwängen der kommunalen Haushalte verschont, im
Gegenteil: die Investitionen stiegen weiter an.
Zunächst standen Sanierungen und weitere bauliche Maßnahmen der Schulhäuser und
Sportstätten sowie Investitionen in die Ausstattung der Bildungsinstitutionen im Vordergrund. So
wurden die „Fundamente“ der Bildungslandschaft gelegt, um die Schulen von Unterrichtsanstalten
in Lernräume zu verwandeln. Parallel dazu wurden schon früh die Grundlagen dafür gelegt, dass
heute selbstverständliche Partnerschaften zwischen Schulen und der Arbeitswelt (Unternehmen,
Verbände etc.) bestehen. Sie geben dem schulischen Lernen nicht nur einen Praxisbezug, sondern
eröffnen den Schüler/-innen Chancen und Wege der Berufsfindung, motivierende
Zukunftsperspektiven und Kontakte. Darüber hinaus zeichnet sich bereits seit mehreren Jahren ab,
was heute immer deutlicher wird: Schulen verwandeln sich, bekommen neue Aufgaben und
müssen sich öffnen. Sie erweitern ihr „Kerngeschäft Unterricht“ um den Aufgabenbereich der
Betreuung, entwickeln Ganztagsschulkonzepte oder bieten sozial- und freizeitpädagogische
Aktivitäten an unterrichtsfreien Nachmittagen an. Dafür beziehen sie zunehmend außerschulische
Partner in den Schulalltag ein: Vereine, offene und verbandliche Jugendarbeit, Ehrenamtliche, die
Kinder- und Jugendhilfe etc.. Diese Entwicklung wird sich in den nächsten Jahren nicht nur
fortsetzen, sondern muss sich auch verstärken.
Auch im vorschulischen Bereich erlangt der Themenkomplex der Ganztagsbetreuung zunehmend
an Bedeutung. Hier zeichnet sich deutlich der Schwerpunkt der nahen Zukunft ab: die Betreuung
von Kindern unter 3 Jahren.
Die nächste Etappe der Ulmer Bildungsoffensive wird zunehmend von konzeptionell-inhaltlichen
und gestalterischen Maßnahmen geprägt sein. Ein wesentlicher Leitgedanke ist die
Chancengerechtigkeit, der von der individuellen Förderung von Kindern und Jugendlichen über die
Entlastung der Eltern und Familien bis zur Integration von Rand- und Risikogruppen sämtliche
Bereiche der Bildungslandschaft und Abschnitte der Bildungsbiografie einschließt.
Am Übergang von der ersten zur zweiten Phase der Ulmer Bildungsoffensive gilt es nun, zunächst
ein Resümee zu ziehen, was die Verwaltung mit dem vorliegenden Bildungsbericht realisiert. Das
Besinnen auf die Möglichkeiten und Grenzen der Ulmer Bildungslandschaft, das Anvisieren
künftiger Aufgaben, die Umsetzung der entwickelten Ideen und das Überführen der Ergebnisse in
nachhaltige Strukturen sind die darauf folgenden Schritte und damit die Perspektive, mit der die
Stadt Ulm in die zweite Phase ihrer Bildungsoffensive startet.
Die nachfolgende Darstellung listet die wesentlichen Beschlüsse der Klausurtagung 2000 (GD
289/00) und deren aktuellen Stand auf. Diese Darstellung lässt bewußt die in der Zwischenzeit
weiteren Beschlüsse im Rahmen der Bildungsoffensive, über die in den letzten Jahren im jeweiligen
jährlichen Bildungsbericht informiert wurde, aus.

- 11 -

Schwerpunktmaßnahmen der
Bildungsoffensive Ulm
Klausurtagung 2000

Aktueller Stand / Umsetzung
Stand: 2010

Bereitgestellte
Haushaltsmittel in Euro

1.

Schulentwicklungsplanung
2005/2010

Schulentwicklungsplanung 2005 - 2015 am 12.12.2006
FBA (GD 296/06)
Integrierte Schulentwicklungs- und Jugendhilfeplanung
2009 - 2025 am 08.12.2010 (GD 379/10)

2.

Schulbau- und
Sanierungsmaßnahmen
mit ursprünglich 53 Mio. €

Investitionsmaßnahmen lt.
Anlage 2 bis 2010

3.

Multimedia an Schulen

Zwischenzeitlich verfügt jede
weiterführende Schule über
mindestens 2 vernetzte PC-Räume,
die in einem Abstand von ca. 4
Jahren technisch modernisiert
werden. Bereits 2009 wurde mit der
Umsetzung des neuen IT-Konzepts
für die Ulmer Schulen begonnen. Das
Konzept beinhaltet individuelle,
bedarfsgerechte und mobile
Ausstattungen im Bereich Multimedia

4.

Projektförderung im Hinblick auf
eine verstärkte Kooperation mit
Wirtschaft, Wissenschaft und
gesellschaftlichen Gruppen

Projektförderung in den Jahren 2001
- 2006
Förderung von Schulpartnerschaften
in den Jahren 2002 - 2006

5.

Einführung von
Fremdsprachenunterricht (Englisch)
an Grundschulen

Nach 2-jähriger Pilotphase wurde zum Beginn des
Schuljahres 2003/04 der Fremdsprachenunterricht an der
Grundschule flächendeckend eingeführt.

6.

Flächendeckende Einführung der
interkulturellen Projekte im
vorschulischen Bereich

Interkulturelle Erziehung / Bildung
und Sprachförderung in Ulmer
Kindertageseinrichtungen
2003 - 2008

rd. 0,27 Mio.

Kindertageseinrichtungen in der
Weststadt - vom multikulturellen
Miteinander zum interkulturellen
Miteinander 2001 und 2002

rd. 0,1 Mio.

Umsetzung des Orientierungsplans in
Kindertagesstätten 2006 - 2010

rd. 0,31 Mio.

Ausbau der Kinderbetreuung 2008 2010 insgesamt

rd. 3,0 Mio.

7.

Projekt "Bildungsauftrag der
Kindertageseinrichtungen"

rd. 104 Mio.

rd. 2,3 Mio.
(zuzügl. 1,4 Mio.
in den HH-Jahren
2011/2012

rd. 0,33 Mio.
rd. 0,06 Mio.

- 12 -

8.

9.

10.

11.

Ausbau der Betriebskindergärten
2008 - 2009

rd. 0,5 Mio.

Ausbau U3-Betreuung 2009 und
2010

rd. 2,9 Mio.

Frühförderung Kindergarten Übergang Schule Projekt 3 - 10
2007 - 2010

rd. 0,14 Mio.

Schulsozialarbeit 2002 - 2010

rd. 1,85 Mio.

Starthilfe/Ausbildungsreife 2008 2010 insgesamt

rd. 0,45 Mio.

Ganztagesbetreuung an Schulen
2003 - 2010 insgesamt

rd 1,02 Mio.

Erweiterung der Angebote für die
Verlässliche Grundschule von 2003 2010 insgesamt

rd. 1,32 Mio.

Projekt Jugendberufshelfer 2001 2010 insgesamt

rd. 0,36 Mio.

Durchführung von Bildungsmessen in
2002, 2004, 2006, 2008 und 2010
(2012 in Planung),
städtischer Zuschuss insgesamt

rd. 0,47 Mio.

Einrichtung einer JuniorHochschule in Verbindung mit
Universität und Fachhochschule

Einrichtung einer Schülerakademie
2006

rd. 0,06 Mio.

Ausbau der
Weiterbildungsangebote

Vh, Familienbildungsstätte Ulm,
Abendrealschule und
Abendgymnasium haben ihr Angebot
erhalten und ausgebaut.
Zuschüsse der Stadt Ulm seit 2001

rd. 6,74 Mio.

Weiterer Ausbau der Angebote im
Schulumfeld (insbesondere
Jugendberufshelfer,
Jugendagentur)

Durchführung einer Bildungsmesse

Gesamtsumme

rd. 126,18 Mio.

- 13 -

III. Bildungsoffensive II
Wie bereits in der Klausurtagung des Gemeinderats vom 01.10.2010 (Stadtentwicklung im
demografischen Wandel) dargestellt (siehe Anlage 3), konzentriert sich die Bildungsoffensive II auf
folgende wesentlichen Themenkreise:
1. Betreuung an Schulen und Ganztagesschulen
2. Berufliche Bildung
3. Inklusion von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen in das schulische und berufliche
Leben
4. Verstärkte Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund in das
schulische und berufliche Leben.

1.

Betreuung an Schulen und Ganztagesschulen

1.1.

Steigender Betreuungsbedarf

Seit einigen Jahren führen gesellschaftliche Entwicklungen zu veränderten Familienstrukturen und
in der Folge zu einem verstärkten und stetig steigenden Bedarf an schulischer Kinderbetreuung
bzw. Ganztagsbetreuung an Schulen. Daraus resultierend stellen sich veränderte und z.T. gänzlich
neue Anforderungen an die Bildungsinstitutionen, deren Träger sowie an die vielfältigen
außerschulischen Kooperationspartner. Der Beschluss der Landesregierung Baden-Württemberg
vom 20.02.2006, wonach bis 2015 der Ausbau von bis zu 40% der allgemeinbildenden Schulen zu
Ganztagesschulen gefördert wird, ist eine Reaktion auf diese Veränderungen.
Im Rahmen der Ulmer Bildungsoffensive reagierte die Stadt Ulm in den letzten Jahren mit
1) der flächendeckenden Einrichtung der Verlässlichen Grundschule,
2) dem Ausbau der Flexiblen Nachmittagsbetreuung1,
3) Schülerhortplätzen, die allerdings nur für einen verhältnismäßig kleinen Teil der Schülerschaft
ausreichten,
4) der flächendeckenden Einrichtung von Ganztagsschulen im Haupt- bzw. Werkrealschulbereich
der Einrichtung mindestens einer Ganztags-Grundschule bzw. Grundschule mit ganztägigem
Betreuungsangebot pro Sozialraum.

1

Betreuungszeiten: Verlässliche Grundschule von 7:30 bis 13/14:00 Uhr; Flexible Nachmittagsbetreuung von 7:30 bis 16/17:00 Uhr.

- 14 -

1.2. Das Projekt Grundschul-BBE
Das Projekt „Bildung, Betreuung und Erziehung an Grundschulen (Grundschul-BBE)“ ist ein
weiterer Schritt in der Gesamtkonzeption Bildung, Betreuung und Erziehung und damit eine
inhaltliche Weiterentwicklung der Ulmer Bildungsoffensive. Die Umsetzung erfolgt in Etappen2 und
ist abhängig von der Finanzlage der Stadt. Der anfängliche Schwerpunkt liegt auf der
Ganztagsbetreuung von Kindern im Grundschulalter; der Auftrag lautet:
Ausweitung der Ganztagsbetreuung an Grundschulen in städtischer Trägerschaft sowie bedarfsund sozialraumorientierter Umbau der Grundschulen zu Ganztagsschulen.

Zusammengefasst skizzieren folgende vier Begriffe das Projekt:
x Chancengerechtigkeit: Dabei geht es um die Bildungs-/Zukunftschancen der Kinder (individuelle
Förderung) ebenso, wie um die Chancen der Eltern (Vereinbarkeit von Familie und Beruf). Alles
in allem sollen mehr Kinder eine ganztägige Betreuung in Anspruch nehmen können, als es
bisher zum Beispiel mit Hilfe der Horte möglich war.
x Enge Vernetzung und Kooperation: Um eine Ganztagsbetreuung in angemessener Qualität
anbieten zu können, bedarf es zunehmend der Kooperation von Schulen und außerschulischen
Bildungsakteuren sowie deren Träger.
x Schrittweise Umsetzung: Mit dem Projekt Grundschul-BBE betreten alle Beteiligten Neuland. Um
darauf angemessen reagieren und nachhaltige Strukturen etablieren zu können, verständigte
man sich auf eine kleinschrittige Vorgehensweise.
x Offene Entwicklung: Hier sind einerseits die Schulen gemeint, die die Projekt-Elemente am
einzelnen Schulstandort individuell angepasst umsetzen; andererseits ist damit das Projekt
insgesamt gemeint, dem eine „entwicklungsoffene Gestaltung“ ermöglicht wurde.

1.3. Aktueller Stand
Die Darstellung des Sachstands bezieht sich an dieser Stelle auf die Grundschulen, da hier im
letzten Jahr die meisten Veränderungen stattfanden. Die folgende Übersicht in Tabellenform zeigt,
dass sich die Grundschulen in unterschiedlichen Stadien der Ganztagsschul-Entwicklung bzw. des
Ausbaus der Ganztagsbetreuung befinden.

2
Etappen der Umsetzung des Projekts Grundschul-BBE: 1) Betreuungsbedarf decken, 2) Bis Schuljahr 2012/13: pro Sozialraum mind.
eine Schule mit Ganztagsangebot/eine GTS; 3) Bis Schuljahr 2015/16: 40% der Grundschulen sollen GTS sein.

- 15 -

Betreuungsangebote an Ulmer Grundschulen pro Sozialraum
Name
Sozialraum 1 (Stadtmitte, Oststadt)

VGS

FlexNB

Stand: Dez. 2010

GTS

GTS in Planung

1. Spitalhof-GWRS
2. Martin-Schaffner-GS
3. Michelsberg-GS
4. Friedrichsau-GS

Antrag für SJ 12/13

Sozialraum 2 (Böfingen, Jungingen, Mähringen, Lehr)
1. GS Eichenplatz
2. Eduard-Mörike-GWRS

Antrag für SJ 12/13

3. Gutenberg GS
4. Schönenberg-GS
Sozialraum 3 (Weststadt, Söflingen, Grimmelfingen, Eggingen, Ermingen, Donautal, Einsingen)
1. Wagner-GS (Außenstelle Bildungshaus Ulmer Spatz)

bis Schuljahr 2011/12

2. Bildungshaus Ulmer Spatz
3. Albrecht-Berblinger-GS
4. Jörg-Syrlin-GS
5. Meinloh-GS
6. GS Grimmelfingen
7. GS Ermingen
8. GS Eggingen
9. GWRS-Einsingen
Sozialraum 4 (Eselsberg)
Antrag für SJ 12/13
(Kl. 1+2)

1. Adalbert-Stifter-GWRS
2. Hans-Multscher-GS
3. Maria-Sibylla-Merian-GS
Sozialraum 5 (Wiblingen, Unterweiler, Donaustetten, Gögglingen)
1. Sägefeld-GWRS
2. Regenbogenschule, GS
3. GS am Tannenplatz

Vorauss. ab SJ 11/12

4. GS Unterweiler
5. Riedlenschule, GS
Legende:

VGS = Verlässliche Grundschule
FlexNB = Flexible Nachmittagsbetreuung
GTS = Ganztagsschule

- 16 -

1.4. Ausblick
Mit Blick auf das Projekt Grundschul-BBE deuten die Vielfalt der Handlungsfelder, die zahlreichen
Anknüpfungspunkte zu anderen Projekten der Stadt Ulm, die Vielzahl an beteiligten Abteilungen
und die Notwendigkeit enger Kooperationen die Komplexität des Projekts an. Insgesamt kann
prognostiziert werden, dass der Beschluss für dieses Projekt im Sommer 2010 den Einstieg in eine
Entwicklung markiert, die alle Beteiligten in den nächsten Jahren begleiten wird.
Zusammengefasst greift die Stadt Ulm diese Themen durch folgende Maßnahmen auf:
x Insgesamt müssen weiterhin die zentralen gesellschaftspolitischen Herausforderungen
angegangen werden; Hauptthemen sind nach wie vor das Herstellen und Sichern von
Chancengerechtigkeit und individueller Förderung und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
x Der Bedarf an verlässlicher Ganztagsbetreuung wird weiterhin stetig steigen, weshalb in Ulm die
Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder weiter ausgebaut wird. Ihre Qualität wird
entscheidend von der Konzipierung des engen Zusammenhangs zwischen Bildung, Betreuung
und Erziehung abhängen.
x Die Entwicklung einer ganztägigen und ebenso verlässlichen Betreuung von Grundschulkindern
in den Schulferien ist Teil des Projekts Grundschul-BBE. An dem Konzept wird derzeit gearbeitet.
x Aus mehreren, insbesondere konzeptionellen Gründen werden sich der Betreuungsbedarf, aber
auch die qualitativen Ansprüche an ganztägig geführte Bildungseinrichtungen langfristig nicht
ohne den Umbau der (Halbtags-) Schulen zu Ganztagsschulen bewältigen lassen – zugunsten
einer verlässlichen Betreuung der Kinder, zugunsten der Vereinbarkeit von Familien und Beruf,
aber auch zugunsten von mehr Zeit und Raum für die individuelle und vielfältige Förderung der
SchülerInnen. Dabei unterstützt die Stadt Ulm ihre Grundschulen bestmöglich.

2.

Berufliche Bildung

Insbesondere der strukturelle Wandel in der Wirtschaft, verbunden mit einem steigenden Bedarf an
gut ausgebildeten Fachkräften im Elektro-, Maschinen- und Fahrzeugbereich, wird sich verstärkt
auf die beruflichen Schulstandorte und deren Ausbildungsangebote auswirken. Entscheidend ist
nach einer Stellungnahme der kommunalen Landesverbände zur Verbandsanhörung im Landtag
vor der Enquetekommission "Fit fürs Leben in der Wissensgesellschaft - Berufliche Schulen, Ausund Weiterbildung" am 30.09.2010, eine Orientierung der Angebote beruflicher Schulen an den
Bedürfnissen der örtlichen/regionalen Wirtschaft. Darüber hinaus soll eine enge Verzahnung aller
Beteiligten wie der IHK, der HK, den Betrieben, der Agentur für Arbeit, den beruflichen Schulen,
der Schulaufsicht und den Schulträgern stattfinden. Nur so können neue Berufsfelder schnell
erkannt und neue Bildungsangebote passgenau umgesetzt werden.
Die Enquetekommission empfiehlt deshalb, kreisbezogene und regionale
Schulentwicklungsplanungen in Abstimmung mit den Regierungspräsidien durchzuführen und
einer regelmäßigen Aktualisierung zu unterziehen. Regionale Raumdaten und infrastrukturelle
Gegebenheiten sowie unterschiedliche Szenarien der wirtschaftlichen Entwicklung sind dabei
einzubeziehen, um beispielsweise frühzeitig auf Tendenzen in Richtung Vollzeitschulen aufgrund

- 17 konjunktureller Schwankungen reagieren zu können.
Mit der am 08.12.2010 beschlossenen Integrierten Schulentwicklungs- und Jugendhilfeplanung
(GD 379/10) sowie dem Beschluss des Modellraumprogramms für die Gewerblichen Schulen vom
02.02.2010 (GD 015/10) wurde diesem Erfordernis Rechnung getragen.
Für die Weiterentwicklung beruflicher Schulstandorte sind Entscheidungen nach Abstimmung mit
allen Beteiligten anhand der örtlichen, kreis- bzw. regionalbezogenen Strukturen im Rahmen der
anzustellenden kreisbezogenen Bedarfsanalysen zu treffen. Eine landesweit einheitliche Strategie ist
für konkrete Standortentscheidungen nicht Ziel führend und praktikabel.
Die Umsetzung der neuen Werkrealschule in Kooperation mit den Berufsfachschulen stellt die Stadt
Ulm als kommunalen Schulträger vor eine neue Herausforderung. Grundsätzlich wird die stärkere
berufliche Profilbildung in Klasse 10 der Werkrealschule über die Kooperation mit dem ersten Jahr
der zweijährigen Berufsfachschule, die erstmals 2012 zum Tragen kommt, begrüßt.
Der baden-württembergische Weg zum Abitur in 9 Jahren verläuft über 6 Jahre Realschule und 3
Jahre berufliches Gymnasium. Damit auch alle entsprechend befähigten Schülerinnen und Schüler
diesen attraktiven Weg gehen können, empfiehlt die Enquetekommission einen weiteren
bedarfsgerechten Ausbau dieser Schulart. Die beruflichen Gymnasien an den beruflichen Schulen in
der Stadt Ulm haben die Zahl ihrer Eingangsklassen in den letzten Jahren bereits erhöht. Zum
kommenden Schuljahr kommen zwei weitere Eingangsklassen dazu. Ein weiterer Ausbau der
beruflichen Gymnasien darf allerdings nicht zu einer Auszehrung des Dualen Systems der
Berufsausbildung führen.
Die Enquete-Kommission empfiehlt, Berufsinformationsmessen und Berufsinformationstage in
Kommunen zu organisieren, dass diese Schüler und Ausbildungsbetrieben neben Praktika
Gelegenheit geben, sich gegenseitig kennenzulernen.
Dies hat die Stadt Ulm mit ihren bisher erfolgreichen Bildungsmessen seit dem Jahre 2002 im 2jährigen Rhythmus bereits umgesetzt.
Die Integrationsleistung der beruflichen Schulen ist zumeist nur wenig im Bewusstsein der
Bevölkerung verankert. Die beruflichen Schulen sind in Zukunft noch stärker als bisher als "Schulen
der Integration und des Aufstiegs" gefordert. Kein junger Mensch darf auf dem Weg in den Beruf
verloren gehen. Ein zentrales Bildungsziel der beruflichen Schulen ist die berufliche Integration
durch vertiefte Berufsorientierung und Förderung der Ausbildungsreife sowie der Persönlichkeitsund Sozialkompetenz.
Schülerinnen und Schülern können über Angebote wie VAB (Vorqualifizierungsjahr Arbeit - Beruf) /
BVJ (Berufsvorbereitungsjahr) / BEJ (Berufseinstiegsjahr) berufspraktische Kenntnisse und
Fertigkeiten vermittelt werden. Hierbei ist auch eine Ausweitung betrieblicher Praxisphasen
während dieser einjährigen schulischen Ausbildung sinnvoll. Im Hinblick auf die gesellschaftliche
Entwicklung und der zunehmend festzustellenden Defizite bei der Ausbildungsreife aber auch
sonstigen Problemlagen der Jugendlichen ist eine Ausweitung der Schulsozialarbeit bzw. der
Jugendberufshelfer angezeigt.
Gerade im VAB / BVJ / BEJ muss über die Ausweitung des Ganztagesangebots nachgedacht
werden. Ebenso in weiteren Vollzeitschularten, z.B. den Berufskollegs.
In der Schulart Berufsschule als Teil des Dualen Systems der Berufsausbildung und als Herzstück der
beruflichen Schulen zeichnen sich zwei Entwicklungen ab:

- 18 • Zusätzlicher Förderunterricht für die schwächeren Auszubildenden, damit ein erfolgreicher
Ausbildungsabschluss gewährleistet werden kann. Die Förderung von leistungsschwächeren
Berufsschülern und die Vermeidung von Ausbildungsabbrüchen wird für die beruflichen Schulen
ein Schwerpunktthema werden.
• Zusatzangebote für die leistungsstärkeren Auszubildenden. Englisch als fortgeführte
Fremdsprache in der Berufsschule ist in einer globalen Welt eine Notwendigkeit und für die
leistungsstärkeren Auszubildenden ist Zusatzunterricht zur Erlangung der Fachhochschulreife
innerhalb der Ausbildungszeit ein attraktives Angebot, um eine duale Ausbildung zu beginnen.

3.

Inklusion von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen in das
schulische und berufliche Leben

Der Wunsch der Eltern von Kindern mit Behinderung nach wohnortnahen Bildungsangeboten, nach
sozialer Teilhabe ihrer Kinder und das gemeinsame Lernen von Schüler/-innen mit und ohne
Behinderung sind hochaktuelle bildungspolitische Themen. Im Hinblick auf die zwischenzeitlich
ratifizierte UN-Behindertenrechtskonvention wurde vom Kultusministerium Baden-Württemberg ein
Expertenrat einberufen, der im Februar 2010 seine Empfehlungen veröffentlicht hat. Die
Sonderschulen des Landes sollen sich nach den Empfehlungen zu sonderpädagogischen Bildungsund Beratungszentren weiterentwickeln. Zukünftig sollen im Rahmen passgenauer Lösungen
entsprechende Bildungsangebote auch gemeinsam mit und in allgemeinen Schulen realisiert
werden. Die Stadt Ulm wird zusammen mit dem Staatlichen Schulamt Biberach eine von mehreren
Schwerpunktregionen sein, in dem dieser Umsetzungsprozess in besonderer Weise begleitet
werden soll. Ziel des Expertenrates ist es, dass durch angemessene Vorkehrungen z.B. auch im
Bereich der baulichen und technischen Voraussetzungen in allgemeinen Schulen und in
sonderpädagogischen Einrichtungen für den Einzelnen ein höheres Maß an Aktivität und Teilhabe
erreichbar ist. Dies bedeutet, dass künftig auch Schüler/-innen Regelschulen in städtischer
Trägerschaft besuchen werden, die bislang in Sonderschulen mit angegliederten Heimen außerhalb
Ulms beschult wurden (z.B. Sehbehinderte, Hörbehinderte). Demgegenüber werden voraussichtlich
auch bisherige Schüler/-innen der Sonderschulen in städtischer Mitträgerschaft künftig ihre
heimatnäheren Regelschulen anstelle der Sonderschulen besuchen.
Die entsprechenden Regelungen im Schulgesetz sollen ab Schuljahr 2013/14 geändert werden,
nachdem eine mindestens 2-jährige Probephase in den o.g. Schwerpunktregionen platziert worden
ist. Inwiefern sich dies auf das Übertrittsverhalten von Schüler/-innen auf Regelschulen anstelle von
Sonderschulen auswirkt, lässt sich erst nach Abschluss der Pilotphase sagen.

- 19 -

4.

Verstärkte Integration von Kindern und Jugendlichen mit
Migrationshintergrund in das schulische und berufliche Leben

Eine weitere wesentliche Aufgabe der kommenden Jahre wird die verstärkte Integration von
Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund sein. Elementar ist in diesem Zusammenhang
die gezielte und nachhaltige Sprachförderung der Kinder und Jugendlichen als unmittelbare
Zielgruppe. Diese reicht vom vorschulischen Bereich über die Grundschule bis hin in die
weiterführenden Schulen und Berufsschulen.
Wie ein gesellschaftspolitisch so aktuelles Thema darüber hinaus Eingang in die kommunale
Bildungspolitik und Bildungssteuerung findet, wird im Folgenden exemplarisch am Beispiel der
sogenannten „Elternmentor/-innen“ dargestellt: Das Elternmentor/-innen-Programm an Ulmer
Schulen ist derzeit eingebunden in das Projekt „Grundschul-BBE“ (vgl. Kapitel III.1.2. dieses
Berichts) und zielt darauf ab, durch aktive Einbeziehung von Eltern mit Migrationshintergrund - als
„Brückenpersonen“ - den Bildungserfolg von Migrantenkindern an Ulmer Schulen zu verbessern.
An den teilnehmenden Schulen1 werden Pools von Elternmentorinnen und -mentoren gebildet, die
in Kooperation mit der Elternstiftung Baden-Württemberg geschult werden,2 siehe hierzu auch GD
386/10.
Hintergrund dieses Programms ist die Tatsache, dass die Familie, d.h. die Eltern, die wesentlichen
Weichen für den Bildungserfolg, für die Bereitschaft zu lebenslangem Lernen und somit für die
persönlichen und beruflichen Perspektiven der Kinder und Jugendlichen stellt. Eine enge und
vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Eltern mit Migrationshintergrund und den Schulen ist
daher eine Möglichkeit, einerseits die interkulturelle Öffnung in der Schule zu unterstützen und
andererseits die Aufmerksamkeit der Familien auf den schulischen Werdegang und seine Relevanz
für das Leben ihrer Kinder zu lenken.
Elternmentor/-innen sind für Eltern mit Migrationshintergrund unterschiedlicher Ethnien ein
niederschwelliger Zugang zum Thema Bildung und Schule in Deutschland bzw. in Ulm, der über
den Austausch untereinander und die Information durch andere Eltern (die Elternmentor/-innen)
ermöglicht wird. Im Einzelnen charakterisiert die Elternmentor/-innen, dass sie
• den Kontakt zu Eltern und zur Schule suchen,
• Ansprechpartner für andere Eltern sind,
• Vermittlungsaufgaben übernehmen: z.B. werden sie bei Elternabenden, Einzelgesprächen, bei

Informationsabenden usw. eingesetzt und im Interesse des Schulerfolgs der Kinder tätig,
• sich Wissen über die deutsche Schullandschaft im Allgemeinen und die Ulmer Schullandschaft
im Speziellen angeeignet haben und dieses an andere Eltern mit Migrationshintergrund
weitergeben können,
• Einblicke haben in die verschiedenen Entwicklungsphasen, die Schüler durchlaufen und diese
vermitteln können,
• mit den elterlichen Problemen vertraut sind und leichter Sprachbarrieren und Kulturschranken
überwinden können.

1

ElternmentorInnen sollen flächendeckend eingesetzt werden: beginnend ab Januar 2011 mit den Grundschulen, erfolgt
eine spätere Ausweitung auf Kindergärten bzw. Kindertagesstätten und weiterführende Schulen. Im ersten Durchgang
nehmen 4 Grundschulen teil: Martin-Schaffner-GS, Eduard-Mörike-GS, GS am Tannenplatz, Hans-Multscher-GS.
2
Beispiele: „Wie funktioniert Schule?“, „Freizeit-, Bildungs- und Beratungsangebote im Sozialraum/in Ulm“ etc.

- 20 -

IV.

Darstellung der Ist-Situation anhand von Kennzahlen

Die Ausgangslage und künftige Situation wurde umfassend im Rahmen der Klausurtagung des
Gemeinderats zur Stadtentwicklung im Demographischen Wandel am 01.10.2010 (GD 350/10)
dargestellt (siehe Anlage 3).
Darüber hinaus werden wiederum ausgesuchte Kennzahlen und deren Entwicklung seit der
Beschlussfassung der Bildungsoffensive im Rahmen der Klausurtagung im Jahre 2000 dargestellt
und anhand der Empfehlungen der PH Weingarten im Rahmen deren Evaluation der
Bildungsoffensive der aktuelle Stand in Anlage 4 gegenüber gestellt.

- 21 -

V. Ausblick auf die nächsten 10 Jahre der Ulmer Bildungsoffensive
Nachdem in den letzten 10 Jahren, der ersten Etappe der Ulmer Bildungsoffensive, die Fundamente
für eine morderne kommunale Bildungsarbeit gelegt und entsprechende Investitionen getätigt
wurden, geht die Bildungsoffensive nun in ihr zweites Jahrzehnt. In den kommenden 10 Jahren
wird sie zunehmend von konzeptionell-inhaltlichen und gestalterischen Maßnahmen geprägt sein.
Ein wesentlicher Leitgedanke ist dabei weiterhin die Chancengerechtigkeit und damit das Eröffnen
von Bildungschancen für alle, d.h. u.a.: individuelle Förderung von Kindern und
Jugendlichen,Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Integration von Rand- und Risikogruppen. Dies
zieht sich durch sämtliche Bereiche der Bildungslandschaft und Abschnitte der Bildungsbiografie.
In Ulm orientiert man sich in den nächsten 10 Jahren einerseits an den Empfehlungen der PH
Weingarten im Zuge der Evaluation der Bildungsoffensive. Andererseits ergeben sich klare
Schwerpunkte aus gesellschaftspolitischen Notwendigkeiten und selbstgesetzten Zielen. Zu nennen
sind hier insbesondere
x die Weiterführung der „Gesamtkonzeption Bildung, Betreuung und Erziehung“: Ausbau der
Kinderbetreuung im Kleinkinder- und Vorschulbereich, Ausbau der Ganztagsschulen bzw. der
Ganztagsbetreuung im Grundschulbereich und die Übergänge zwischen den Institutionen
(Kindergarten/Kindertagesstätte-Schule, Grundschule-weiterführende Schulen und vor allem
Schule-Beruf). Ziel ist ein durchgängiges, durchschaubares und durchlässiges Bildungssystem
vom Kindergarten bis zum Schulende inklusive des Einstiegs in den Beruf;
x die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern, indem o.g. Betreuungsangebote
bereitgestellt und qualitativ weiterentwickelt werden;
x die berufliche Bildung bzw. die Berufsschulen, die angesichts des demographischen Wandels
und des zunehmenden Fachkräftemangels massiv an Bedeutung gewinnen;
x die gezielte Integration und Sprachförderung für Kinder und Jugendliche mit
Migrationshintergrund, aber auch für deren Eltern (Elternarbeit allgemein);
x die unter dem Schlagwort „Inklusion“ geführte, grundlegende Veränderung der
Bildungslandschaft infolge der UN-Konvention für Menschen mit Behinderung: Sie sieht u.a. die
Regelbeschulung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen vor und führt, neben einer
entsprechenden Änderung des Schulgesetzes, zu massiven Veränderungen für die Schulen, für
die Lehrkräfte und SchülerInnen, aber auch für Schulträger, -verwaltung und -aufsicht.
Wohlwissend, dass der Stadt wegen der Aufteilung von Zuständigkeiten zwischen Bund, Ländern
und Kommunen in einigen Bereichen auch in absehbarer Zukunft die Hände gebunden sein
werden, hat sich die Stadt Ulm bzw. die kommunalen Bildungspolitik/-steuerung auf ein Umdenken
eingelassen: weg vom Denken in Zuständigkeiten, hin zur Wahrnehmung gemeinsamer
Verantwortlichkeiten, was einen wesentlichen Meilenstein für moderne Bildungsarbeit darstellt. Der
Gedanke des Netzwerkens und die Bereitschaft entsprechend enger und die Grenzen von
Zuständigkeiten überschreitender Kooperationen auf Augenhöhe sind zukunftsweisende Ansätze,
die es zu nutzen und auf die es aufzubauen gilt.