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Anlage 1 - Fischbach Erläuterungsbericht

                                    
                                        Anlage 1 zu GD144/21

Renaturierung Fischbach
in Ulm-Unterweiler und Illerkirchberg
Flst. 390/8 Gemarkung Unterweiler,
Flst. 392 Gemarkung Unterkirchberg,
Flst. 392/1 teilweise, 393 teilweise Gem. Unterkirchberg

Erläuterungsbericht
Auftraggeber

EBU Entsorgungsbetriebe der Stadt Ulm
Wichernstraße 10
89073 Ulm
Tel. 0731-1663530

Gefördert durch

Auftragnehmer

Gabi Stich Landschaftsarchitektin BDLA
in A+ Bürogemeinschaft
Schillerstraße 1/4
89077 Ulm
Tel. 0731-36080220

26.02.2021

INHALTSVERZEICHNIS
1.
2.
3.

Zusammenfassung ................................................................................................. 3
Vorhabenträger ...................................................................................................... 4
Anlass und Zielsetzung der Planung ...................................................................... 4

Renaturierung Fischbach in Ulm-Unterweiler und Illerkirchberg

4.
5.

6.

Erläuterungsbericht

Übergeordnete Planungen: Flächennutzungsplan ..................................................
4
Bestehende Verhältnisse ........................................................................................ 5
5.1
Schutzgebiete und gesetzlich geschützte Biotope
.................................................. 5
5.2
Gewässer
............................................................................................................... 6
5.2.1 Gewässerbeschaffenheit
........................................................................................ 6
5.2.2 Hydrologische Daten
.............................................................................................. 8
5.2.3 Gewässermorphologie
............................................................................................ 8
5.3
Pflanzen, Tiere und ihre Lebensräume
................................................................... 9
5.3.1 Pflanzen
............................................................................................................
..... 9
5.3.2 Tiere
............................................................................................................
........... 9
5.4
Hydrogeologie und Boden
.................................................................................... 10
5.5
Klima/Luft
............................................................................................................. 10
5.6
Landschaft und Erholung
...................................................................................... 10
Beschreibung des Vorhabens ............................................................................... 11
6.1
Naturnaher Ausbau des Fischbachs
..................................................................... 11
6.1.1 Gewässerlauf
....................................................................................................... 11
6.1.2 Querschnittsgestaltung
......................................................................................... 11
6.1.3 Bauwerke
............................................................................................................
. 11
6.1.4 Geländemodellierung zu Flurstück 390/9 Gemarkung Unterweiler
....................... 12
6.1.5 Ansaat und Bepflanzung
...................................................................................... 12
6.2
Hydraulischer Nachweis für den naturnahen Ausbau des Fischbachs
.................. 12
6.3
Erhaltung der Drainagen angrenzender landwirtschaftlicher Flächen
................... 14
6.4
Zukünftige Pflege der Flächen Flst. 390/8 und 392
............................................... 14

Stich Landschaftsarchitektin BDLA, Schillerstr. 1/4, 89077 Ulm

2

Renaturierung Fischbach in Ulm-Unterweiler und Illerkirchberg

7.

8.

Auswirkungen des Vorhabens auf die Umwelt ......................................................
15
7.1
Konfliktanalyse
..................................................................................................... 15
7.2
Auswirkungen auf das Abflussgeschehen
............................................................ 15
7.3
Auswirkungen auf Gewässerökologie, Gewässereigenschaften
........................... 15
7.4
Auswirkungen auf Pflanzen, Tiere und ihre Lebensräume
.................................... 16
7.5
Auswirkungen auf Landschaft und Erholung
......................................................... 16
7.6
Auswirkungen auf agrarstrukturelle
Belange......................................................... 16
7.7
Sonstige Auswirkungen
........................................................................................ 16
Literatur ................................................................................................................ 17

Anlagen:

1
2
3
4

1.

Erläuterungsbericht

Übersichtsplan
Lageplan
Schnitte, Details Bauwerke
hydraulische Berechnung

ZUSAMMENFASSUNG
Der Fischbach verläuft begradigt am Rad- und Wirtschaftsweg UnterweilerUnterkirchberg. Er wird auf einer Länge von 450 m in sein ursprüngliches Bett
verlegt und durch eine naturnahe Gestaltung ökologisch aufgewertet.
Die Renaturierung erstreckt sich im wesentlichen auf die Flurstücke 390/8
Gemarkung Unterweiler, Stadt Ulm und 392 Gemarkung Unterkirchberg,
AlbDonau-Kreis. Beide Grundstücke befinden sich im Eigentum der Stadt Ulm
und werden als Grünland genutzt.

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3

Renaturierung Fischbach in Ulm-Unterweiler und Illerkirchberg

Erläuterungsbericht

Lage der Maßnahme (rot markiert)

Der neue Lauf wird in Anlehnung an das historische Vorbild leicht gewunden
geführt. Das Bachbett wird mit einem Niedrigwassergerinne profiliert und mit
Totholz und Steinen strukturreich gestaltet. Im oberen Bereich wird der
Querschnitt aufgeweitet, um eine Überflutungsfläche bei hohem Abfluss zu
schaffen. Die Verlegung ermöglicht zukünftig eine eigendynamische
Gewässerentwicklung. Am Ende der Renaturierungsstrecke führt ein Durchlass
unter dem Weg Flst. 392/1 zurück in den bestehenden Lauf.
Am Ufer werden standortgerechte Gehölze als Initialpflanzung gepflanzt.
Einzelne Bäume werden mit einer Drahthose vor Biberfraß geschützt. Die Ufer
werden als artenreicher gewässertypischer Hochstaudensaum angesät. Die
übrigen Flächen werden als artenreiche Wiese angesät, die extensiv als
2schürige Wiese (klassische Heuwiese) genutzt werden kann.
Zur angrenzenden Ackerfläche Flst. 390/9 wird mit dem Aushub eine
Geländemodellierung ausgeführt. Die Drainagen auf Flst. 390/9 bleiben erhalten.
Mit der Renaturierung des Fischbachs werden die Lebensbedingungen für
Amphibien, Insekten und Biber verbessert.
Das bisherige Bachbett bleibt offen. Es nimmt den von Unterweiler kommenden
Brühlbach auf und dient als Entlastung des Unterweiler Kanals. Der Teich, der
als Rückhaltebecken am Brühlbach angelegt wurde, bleibt unverändert erhalten.

2.

VORHABENTRÄGER
Träger des Vorhabens „Renaturierung Fischbach in Ulm-Unterweiler“ sind die
EBU Entsorgungsbetriebe der Stadt Ulm, die auch für die Unterhaltung des
Fischbachs zuständig sind. Die Planung wird von der unteren
Naturschutzbehörde der Stadt Ulm begleitet und durch die Stiftung
Naturschutzfond des Landes Baden-Württemberg gefördert.

3.

ANLASS UND ZIELSETZUNG DER PLANUNG
Der Fischbach verläuft begradigt vom Fischbachhof kommend entlang des
Radwegs Unterweiler-Unterkirchberg. Durch Untergrabung und Einstauung des

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4

Renaturierung Fischbach in Ulm-Unterweiler und Illerkirchberg

Erläuterungsbericht

Bibers kommt es immer wieder zu Konflikten. Daher soll der Fischbach auf einer
Länge von 450 m in sein ursprüngliches Bett zurück verlegt und der Lauf in
Anlehnung an das historische Vorbild leicht geschlängelt geführt werden.
Der 450 m lange Renaturierungsabschnitt beginnt nördlich des Fischbachhofs im
Bereich des Flurstücks 390/8, Gemarkung Unterweiler und endet im Osten des
Flurstücks 392, Gemarkung Unterkirchberg. Hier wird der Bachlauf mit einem
Durchlass unter dem Rad- und Wirtschaftsweg (Flst. 392/1) wieder an den
bestehenden Lauf (Flst. 393) angebunden. Zielsetzung des naturnahen
Gewässerausbaus ist die
- gewässerökologische Aufwertung des Fischbachs
-

Verbesserung des Lebensraums für Tier- und Pflanzenarten (v.a. für Biber,
Insekten, Amphibien, Auengehölze und Hochstaudenfluren)
- Stärkung des Biotopverbunds
Die für die Renaturierung vorgesehenen Grundstücke werden derzeit
landwirtschaftlich als Grünland genutzt und befinden sich im Eigentum der Stadt
Ulm. Die Umsetzung ist in 2021 vorgesehen.
Für das Vorhaben wurde eine standortbezogene Vorprüfung des Einzelfalls nach
§ 7 (2) UVPG durchgeführt mit dem Ergebnis, dass keine erheblichen negativen
Umweltauswirkungen zu erwarten sind.

4.

ÜBERGEORDNETE PLANUNGEN: FLÄCHENNUTZUNGSPLAN

Renaturierungsabschnitt

Fischbachhof

Flächennutzungsplan
Nachbarschaftsverband Ulm

Der Flächennutzungsplan mit integriertem Landschaftsplan des
Nachbarschaftsverbands Ulm sieht entlang des Fischbachs Maßnahmen zur
Revitalisierung von Fließgewässern und Entwicklung von Gewässerrandstreifen
vor.
Die für die Renaturierung vorgesehenen Flächen sind als „Flächen für die
Landwirtschaft“ dargestellt.
Die Maßnahmenfläche auf Unterweiler Gemarkung liegt im
Landschaftsschutzgebiet „Unterweiler“ (s. Kapitel 5.1).

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5

Renaturierung Fischbach in Ulm-Unterweiler und Illerkirchberg

Erläuterungsbericht

Nördlich des Fischbachhofs befindet sich ein Teich im Nebenschluss des
Brühlbachs, der als Rückhaltung für die Unterweiler Kanalentlastung fungiert und
im Flächennutzungsplan mit dem Symbol „Abwasseranlage“ gekennzeichnet ist.

5.

BESTEHENDE VERHÄLTNISSE

5.1

Schutzgebiete und gesetzlich geschützte Biotope
Natura 2000-Gebiete (FFH- und Vogelschutzgebiete) sowie
Wasserschutzgebiete sind im Umfeld nicht vorhanden.
Landschaftsschutzgebiet Unterweiler

Landschaftsschutzgebiet „Unterweiler“

Landschaftsteil 2
„Steige“

Abb.: Landschaftsschutzgebiet Unterweiler (grün), RIPS LUBW

Das Landschaftsschutzgebiet Unterweiler hat eine Gesamtfläche von 240 ha. Der
Renaturierungsabschnitt liegt im Landschaftsteil 2 „Steige“. Kennzeichnend sind
große, wechselfeuchte Waldflächen mit zahlreichen Oberflächengewässern. Dem
Wald sind Wiesen, Weiden und Ackerflächen vorgelagert. Er ist Habitat
zahlreicher Tier- und Pflanzenarten und für Landschaftsbild und Naherholung
bedeutend.
Schutzzweck ist die Erhaltung, Pflege und Entwicklung des
Kulturlandschaftsabschnitts als ortsnaher Erholungsraum mit charakteristischem
Landschaftsbild.
Entwicklungsziele sind u.a. eine weitere Verbesserung des Naturhaushalts.

Stich Landschaftsarchitektin BDLA, Schillerstr. 1/4, 89077 Ulm

6

Renaturierung Fischbach in Ulm-Unterweiler und Illerkirchberg

Erläuterungsbericht

Gesetzlich geschützte Biotope

Biotop Nr. 193
3 renaturierte Abschnitte des
Fischbachs

Fischbachhof
FND Nr. 101
Feuchtwald

Abb.: gesetzlich geschützte Biotope (magenta), Naturdenkmale (rosa), RIPS LUBW

Biotop Nr. 193: Der geschützte Bereich umfasst 3 Abschnitte des Fischbachs
nördlich und südlich des Fischbachhofs. Der nördlich des Fischbachhofs liegende
Abschnitt verläuft fast gerade mit dichtem Röhricht des Großen

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7

Renaturierung Fischbach in Ulm-Unterweiler und Illerkirchberg

Erläuterungsbericht

Wasserschwadens, entlang des Rad- und Wirtschaftswegs wurden Erlen,
Weiden und verschiedene Sträucher gepflanzt.
Der Abschnitt ist mittlerweile mit Dämmen und Aufweitungen vom Biber geprägt
und weist zahlreiche Makrophyten auf.
Naturdenkmal
Flächenhaftes Naturdenkmal Nr. 101: Der 3,8 ha große strukturreiche
Feuchtwald mit Seggenried in Mulden und dem am Westrand verlaufenden
Fischbach stellt für Vogel-, Amphibien- und Libellenarten ein sehr wertvolles
Habitat dar. Erfasst wurden 2005 Grasfrosch, Erdkröte, Bergmolch sowie die
Libellenarten Hufeisen-Azurjungfer, Braune und Blaugrüne Mosaikjungfer.

5.2

Gewässer

5.2.1

Gewässerbeschaffenheit
Der Fischbach entspringt ca. 1 km südlich von Unterweiler und mündet nördlich
von Unterkirchberg in die Weihung. Er hat eine Länge von 4,3 km, das
Einzugsgebiet ist mit 5 km² klein.
Von Unterweiler kommend mündet der Brühlbach in den Fischbach. Der
Brühlbach ist im Oberlauf verrohrt und nimmt den Abschlag des
Mischwasserkanals von Unterweiler auf. Vor dem Zusammenfluss befindet sich
östlich des Wegs zum Fischbachhof ein Rückhalteteich.
Der Fischbach ist Fließgewässertyp 2.1 Bäche des Alpenvorlands zugeordnet.
Den guten ökologischen Zustand kennzeichnen u.a. große Totholzmengen.

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8

Renaturierung Fischbach in Ulm-Unterweiler und Illerkirchberg

Erläuterungsbericht

Abb. oben: Fließgewässertyp 2.1 Bäche des Alpenvorlands, Habitatskizze für den sehr
guten ökologischen Zustand
Abb. unten: Fließgewässertyp 2.1 Bäche des Alpenvorlands, Ansicht des Querprofils
Abb. aus: Umweltbundesamt (2014): Hydromorphologische Steckbriefe der deutschen
Fließgewässertypen

5.2.2

Hydrologische Daten
Ein Pegel zur Messung des Abflusses ist nicht vorhanden. Aufgrund des kleinen
Einzugsgebiets tritt Hochwasser nach Starkregen auf. Nach Auskunft der EBU ist
das bordvolle Profil für den Hochwasserabfluss von ca. 1,5 m³/s ausreichend. Im
Planungsabschnitt weist der Fischbach ein Sohlgefälle von 5 bis 6 ‰ auf, die
Fließgeschwindigkeit bei mittlerem Abfluss (ca. 85 l/s) beträgt ca. 0,4 m/s.

5.2.3

Gewässermorphologie
Der Fischbach wurde begradigt und an den Rad- und Wirtschaftsweg verlegt. Die
historische Karte zeigt den ursprünglichen, leicht geschlängelten Lauf.

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9

Renaturierung Fischbach in Ulm-Unterweiler und Illerkirchberg

Erläuterungsbericht

Abb.: historischer Verlauf des Fischbachs im 19. Jahrhundert, LEO-BW

Auf Gemarkung Unterweiler ist der Fischbach vom Biber geprägt, der Abschnitt
weist Dämme mit kleineren Umgehungsgerinnen, durch Ausstiege entstandene
Verbreiterungen des Querschnitts und gewässertypischen Makrophytenbewuchs
auf. Es treten sowohl feinsedimentreiche als auch kiesige Sohlstrukturen auf. In
weiten Teilen ist der Abschnitt stillgewässerartig.

Abb.: Fischbach auf Gemarkung Unterweiler

Auf Gemarkung Unterkirchberg verläuft der Fischbach begradigt direkt am Radund Wirtschaftsweg in einem trapezförmigen Profil, das Sohlsubstrat ist
überwiegend sandig bis kiesig, die Uferböschungen sind ca. 1 m hoch. Auf der
Nordseite ist zu den angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen ein 10 m breiter
Gewässerrandstreifen vorhanden. Eine Fortführung der Renaturierung bis
Unterkirchberg wird angeregt.

Abb.: Fischbach auf Gemarkung Unterkirchberg

Stich Landschaftsarchitektin BDLA, Schillerstr. 1/4, 89077 Ulm

10

Renaturierung Fischbach in Ulm-Unterweiler und Illerkirchberg

5.3

Pflanzen, Tiere und ihre Lebensräume

5.3.1

Pflanzen

Erläuterungsbericht

Im oberen Abschnitt säumen den Fischbach Weidengebüsche und
Hochstaudensäume. Diese setzen sich aus Brennnesseln, Wasseriris, Seggen,
Röhricht aus Rohrglanzgras und Wasserschwaden, Blutweiderich und Mädesüß
zusammen. Auf der Bachsohle wachsen stellenweise Unterwasserpflanzen.
Zwischen dem Fischbach und dem Weg zum Fischbachhof sind eine Obstwiese
und um den Rückhalteteich eine Gehölzpflanzung mit Weiden, Erlen, Eschen,
Vogel- und Traubenkirschen und verschiedenen Sträuchern vorhanden. Am Radund Wirtschaftsweg befindet sich ein Gehölzstreifen mit Weiden, Erlen, Eschen,
Ahorn, Hartriegel, Wildrosen, Hasel, Weißdorn und Pfaffenhütchen. Die Gehölze
werden vom Biber benagt und als Baumaterial für Dämme genutzt.
Auf Gemarkung Unterkirchberg begleiten den Fischbach nährstoffreiche
Hochstaudensäume, bachbegleitende Gehölze sind nur vereinzelt vorhanden.
5.3.2

Tiere
Bei einer orientierenden Begehung am 24.06.2020 durch Diplom-Biologe Ralf
Schreiber, Neu-Ulm, wurden am Fischbach die Libellenarten Becher-Azurjungfer,
Federlibelle, Gebänderte Prachtlibelle, Gemeine Heidelibelle,
HufeisenAzurjungfer und Große Königslibelle festgestellt. Die Arten sind
ungefährdet.
Der Biber, streng geschützt nach Anhang IV der FFH-Richtlinie, ist in unserem
Raum mittlerweile stark verbreitet. Durch seine Bautätigkeiten mit Sturzbäumen,
Dämmen, Burgen und Gräben erzeugt er vielfältige Gewässerlebensräume und
gilt daher als ökologische Schlüsselart zur Entwicklung von Feuchtlebensräumen
und Steigerung der Biodiversität. Konflikte können bei nah an Wegen oder
Äckern verlaufenden Bachabschnitten auftreten: infolge der Unterhöhlung durch
Biber können diese einbrechen und Menschen und Maschinen gefährden.
Laich des nach der Roten Liste ungefährdeten Grasfroschs wurde an mehreren
vom Biber gestalteten Bachabschnitten nachgewiesen. Die stark gefährdete und
ebenfalls nach Anhang IV der FFH-Richtlinie streng geschützte Bachmuschel
wurde im Fischbach nicht nachgewiesen.
Im Gehölzstreifen am Radweg und den Gebüschen an Fischbach und
Rückhalteteich wurden folgende ungefährdete Vogelarten mit Brutverdacht
festgestellt: Amsel, Blaumeise, Buchfink, Gartengrasmücke, Goldammer,
Grünfink, Kohlmeise, Mönchsgrasmücke, Rabenkrähe und Zaunkönig. Als
Nahrungsgäste wurden Mehl- und Rauchschwalben beobachtet. Die
landwirtschaftlichen Flächen werden von Weißstorch und Graureiher zur
Nahrungssuche genutzt, ebenso von Greifvögeln wie Rotmilan, Mäusebussard
und Turmfalke. Für Feldvögel wie die Feldlerche ist der Bereich zwischen
Fischbach und Wald als Brutplatz aufgrund der Kulissenwirkung durch Wald und
Ufergehölze ungeeignet.
In den Wiesen wurden verschiedene Insekten, darunter Schmalwespen und
ungefährdete Heuschrecken wie Gemeiner Grashüpfer, Nachtigall-Grashüpfer,
Roesels Beißschrecke, Rote Keulenschrecke festgestellt.

5.4

Hydrogeologie und Boden
Der Grundwasserkörper gehört zu den fluvioglazialen Schottern und befindet sich
in einem guten Zustand (WRRL-Bewirtschaftungsplan 2015). Der

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11

Renaturierung Fischbach in Ulm-Unterweiler und Illerkirchberg

Erläuterungsbericht

Grundwasserstand korrespondiert im bachnahen Bereich mit dem Wasserstand
des Baches. Die auftretenden Böden sind mittel tiefe bis tiefe PseudogleyKolluvien aus sandigem bis tonigem Lehm (LGRB).
Die Bodenfunktionen nach „Bodenschutz Heft 23“ (LUBW 2011) sind wie folgt
bewertet:
 Standort für naturnahe Vegetation: keine hohe oder sehr hohe Bewertung
 natürliche Bodenfruchtbarkeit: mittel – hoch (Wertstufe 2,5)
 Ausgleichskörper im Wasserkreislauf: mittel (Wertstufe 2,0)
 Filter und Puffer für Schadstoffe: hoch (Wertstufe 3,0)
Die Böden der landwirtschaftlich genutzten Flächen sind großflächig drainiert,
teils auch unter Wald.

5.5

Klima/Luft
Das Gebiet gehört zum Klimabezirk Donau-Iller-Lechplatten. Die
durchschnittliche Lufttemperatur beträgt 7-8 °C. Die Niederschlagsmenge liegt
bei 700-750 mm im Jahr.

5.6

Landschaft und Erholung
Der Vorhabenbereich liegt im Naturraum „Hügelland der unteren Riß“, einer
Untereinheit der Iller-Lech-Schotter-Platten.
Die Landschaft östlich von Unterweiler ist geprägt durch (Feucht-) Wälder,
Wiesen und Ackerflächen, Bäche und Gräben. Der Fischbach auf Gemarkung
Unterweiler wird meist von einem Gehölzstreifen begleitet, auf Gemarkung
Unterkirchberg fehlt dieser. Die relativ abwechslungs- und strukturreiche
Landschaft ist für die ortsnahe Erholung von Bedeutung. Nördlich des
Fischbachs verläuft der Radweg Illerkirchberg – Unterweiler. Beim Fischbachhof
befindet sich ein kleiner Wanderparkplatz.

6.

BESCHREIBUNG DES VORHABENS

6.1

Naturnaher Ausbau des Fischbachs

6.1.1

Gewässerlauf
Der neue Lauf des Fischbachs orientiert sich am historischen Verlauf und ist wie
dieser leicht geschwungen gestaltet. Das Sohlgefälle liegt bei 5-6 ‰.
Der naturnahe Ausbau beginnt im Südwesten des Flurstücks 390/8, hier wird die
rechte Uferböschung auf einer Länge von ca. 7 m geöffnet und der neue Lauf
angebunden. Zur Umlenkung wird im alten Lauf ein Damm (Oberkante 494,50 m
üNN) eingebaut.
An der Grenze der Flurstücke 390/8 und 392 wird unter dem unbefestigten Weg
ein Rohrdurchlass eingebaut, um die Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen
Flächen 390/9 und 390 zu gewährleisten. Der Durchlass wird mit Sohlsubstrat
durchgängig gestaltet.
Am Ende des Renaturierungsabschnitts wird der neue Bachlauf mit einem
Rahmendurchlass unter dem Rad- und Wirtschaftsweg an den bestehenden Lauf
angebunden. Der Rahmendurchlass wird mit Sohlsubstrat und seitlichen Bermen
durchgängig gestaltet.

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12

Renaturierung Fischbach in Ulm-Unterweiler und Illerkirchberg

Erläuterungsbericht

Der alte Bachlauf bleibt für den Abfluss des Brühlbachs und die Entlastung des
Unterweiler Kanals offen, der Rückhalteteich bleibt unverändert.
6.1.2

Querschnittsgestaltung
Das neue Bachbett wird asymmetrisch mit einem gegliederten Querschnitt mit
Niedrigwassergerinne angelegt. Das Mittelwasserbett wird mit flacher und steiler
geneigten Uferböschungen gestaltet. Oberhalb des Mittelwasserspiegels wird die
Uferböschung flach ausgezogen. Mit dem Aushub wird an den
Grundstücksgrenzen eine Geländemodellierung ausgeführt, so dass höhere
Abflüsse in der neuen Aue breitflächig abfließen können. Die Überflutung
angrenzender Flächen nach Schneeschmelze oder Starkregenereignissen bleibt
erhalten.
Die Bachsohle wird durch Verdichtung des bindigen Bodens mit dem Baggerlöffel
profiliert. Auf der Bachsohle wird Flusskies (Körnung 2/100) als Sohlsubstrat
eingebracht. Für eine hohe morphologische Strukturvielfalt werden Wurzelstöcke,
Totholz und Steine eingebaut.
An den Durchlässen werden die Ein- und Auslaufbereiche mit Wasserbausteinen
gesichert.

6.1.3

Bauwerke
Nr. 1 Rahmendurchlass unter dem Rad- und Wirtschaftsweg Flst. 392/1
Der Rahmendurchlass wird gemäß den Richtlinien für ländlichen Wegebau
(2016) als einspurige Wirtschaftswegbrücke mit der Spurbreite 4,50 m zwischen
den Borden ausgeführt, die lichte Weite zwischen den Geländern beträgt 5,50 m.
Er wird für landwirtschaftlichen Verkehr mit Belastungsklasse SLW 60 ausgelegt.
Der Rahmendurchlass wird als Betonfertigteil eingebaut. Er wird in Einzelteilen
gefertigt, das schwerste Bauteil wiegt ca. 7,5 t. Die Anlieferung erfolgt mit einem
Tieflader über den Rad- und Wirtschaftsweg. Zum Einbau ist eine kurzfristige
Wasserhaltung erforderlich.
Auf Wunsch der Gemeinde Illerkirchberg nimmt der Durchlass den Graben von
Flst. 389 mit auf und ersetzt dessen Dole unter dem Rad- und Wirtschaftsweg.
Nr. 2 Rohrdurchlass zwischen Flst. 390/8 und 392
Zwischen Flst. 390/8 und 392 verläuft ein unbefestigter landwirtschaftlicher Weg,
der wieder hergestellt wird. Der Durchlass für den Bach wird als Stahlbetonrohr
DN 1100 mit einer Überdeckung von 50 cm hergestellt.

6.1.4

Geländemodellierung zu Flurstück 390/9 Gemarkung Unterweiler
Entlang der Grenze zu Flurstück 390/9 erfolgt mit dem Aushub eine ca. 50 cm
hohe, flach ausgezogene Modellierung. Auf der angrenzenden Ackerfläche
Flurstück 390/9 ist die Andeckung des überschüssigen Oberbodens der
Renaturierungsmaßnahme vorgesehen.

6.1.5

Ansaat und Bepflanzung
Die Ufer werden als gewässertypischer artenreicher feuchter Hochstaudensaum
mit Saatgut regionaler Herkunft angesät, um ein massenhaftes Auftreten von
Neophyten zu verhindern.
Die Pflanzung von Ufergehölzen am neuen Bachlauf erfolgt einseitig als
Initialpflanzung. Gepflanzt werden gewässertypische Arten wie Schwarzerle,
Silberweide und Schwarzpappel mit Baumschulware aus zertifizierter,

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13

Renaturierung Fischbach in Ulm-Unterweiler und Illerkirchberg

Erläuterungsbericht

autochthoner Herkunft. Bäume, die das Landschaftsbild bereichern sollen,
werden mit einer Drahthose vor Verbiss geschützt. Weite Bachabschnitte sollen
gehölzfrei bleiben, um gewässerbegleitende Hochstaudenfluren als wertvollen
Insektenlebensraum zu fördern.
Die neugeschaffenen Auenflächen werden als artenreiche Fettwiese (klassische
Heuwiese) angelegt und extensiv bewirtschaftet.
Für sämtliche Ansaaten wird zertifiziertes Saatgut regionaler Herkunft verwendet.

6.2

Hydraulischer Nachweis für den naturnahen Ausbau des Fischbachs
Da für den Fischbach keine Abflussdaten aus Pegelmessungen vorliegen, wird
der mittlere Abfluss aus dem Bestandsquerschnitt abgeleitet. Der
Hochwasserabfluss wird aus dem bordvollen Profil abgeleitet.
Der Abfluss (Q in m³/s) errechnet sich nach der Fließgesetzformel von Manning
u. Strickler wie folgt:
Q = A * k st * r hy 2/3 * J1/2 = A * v
wobei
Q = gesuchter Abfluss [m³/s]
A = Fläche des benetzten Querschnitts [m²] k st
= Rauhigkeitsbeiwert (dimensionslos)
r hy = hydraulischer Radius [m] = A/U (U = benetzter Umfang) J
= Fließgefälle (wird hier dem Sohlgefälle gleichgesetzt) [m/m]
v = Fließgeschwindigkeit [m/s]
Der hydraulische Nachweis ist in Anlage 4 beigefügt.
Für den Bestandsquerschnitt ergibt sich ein Mittelwasserabfluss von 85 l/s und
ein bordvoller Abfluss von 1,5 m³/s.
Zur Ermittlung der Abflussleistung des naturnah ausgebauten Bachlaufs wird der
Rauhigkeitsbeiwert kst 20 für Profile mit Uferstauden bzw. kst 18 für Abschnitte
mit Ufergehölzen angesetzt. Die Abflussleistung wird beispielhaft für die Profile
km 0+100, 0+200, 0+300 und 0+400 ermittelt.
Rauhigkeitsbeiwert Gefälle

Planung
0+100

km

Mittelwasser

bordvoll

kst

Fläche
Querschnitt

J A

18

0,006

v

0,44

Q

0,120

kst

Benetzter
Umfang

U

0,27

1,5

J

A

U

18

0,006

6,8

25

v

0,59

Q

3,980

Stich Landschaftsarchitektin BDLA, Schillerstr. 1/4, 89077 Ulm

14

Renaturierung Fischbach in Ulm-Unterweiler und Illerkirchberg

Km 0+200 Mittelwasser

bordvoll

Km 0+300 Mittelwasser

bordvoll

Km 0+400 Mittelwasser

bordvoll

Erläuterungsbericht

kst

J

A

U

20

0,006

0,25

1,7

v

0,43

Q

0,108

kst

J

A

U

20

0,006

3,7

15

v

0,61

Q

2,254

kst

J

A

U

18

0,006

0,39

2

v

0,43

Q

0,167

kst

J

A

U

18

0,006

4,9

20

v

0,50

Q

2,442

kst

J

A

U

18

0,006

0,3

1,8

v

0,42

Q

0,127

kst

J

A

U

18

0,006

5

19,5

v

0,56

Stich Landschaftsarchitektin BDLA, Schillerstr. 1/4, 89077 Ulm

15

Renaturierung Fischbach in Ulm-Unterweiler und Illerkirchberg

Q

Erläuterungsbericht

2,8147

Die hydraulische Berechnung zeigt, dass die geplanten Querschnitte für Mittelund Hochwasserabfluss ausreichend dimensioniert sind.
Der Durchlass bei km 0-07 quert den Rad- und Wirtschaftsweg hydraulisch
günstig mit einem Winkel von 45°. Der Rahmendurchlass weist ein
Niedrigwassergerinne, beidseitig Bermen und eine Substratauflage von 20 cm
auf. Die Abflusskapazität bei Vollfüllung beträgt 1,9 m³/s.
Der Rohrdurchlass DN 1100 bei km 0+190 wird ebenfalls mit einer
Substratauflage von 20 cm durchgängig gestaltet. Die Abflusskapazität bei
Vollfüllung beträgt 1,5 m³/s. Tritt ein Rückstau auf, kann sich der Abfluss flächig
ausbreiten und die neu geschaffene Aue fluten. Die angrenzende Ackerfläche
Flst. 390/9 ist durch eine Geländemodellierung bis zu einem gewissen Grad
geschützt. Bei Starkregen oder Schneeschmelze findet nach wie vor eine
Überflutung der Flächen statt, da die Ausuferungen auch oberhalb der
Renaturierungsstrecke austreten, wie die für Ulm-Unterweiler vorliegende
Starkregenkarte zeigt.

6.3

Erhaltung der Drainagen angrenzender landwirtschaftlicher Flächen
Die landwirtschaftlichen Flächen im Umfeld des Fischbachs wurden zwischen
1929 und 1956 drainiert. Die entsprechenden Planunterlagen wurden vom
Landratsamt Alb-Donau-Kreis, Untere Wasserbehörde, zur Verfügung gestellt.
In den Planunterlagen ist der Verlauf der Sauger und Sammler dargestellt, jedoch
nicht die Lagetiefe. Die Einmündung des Sammlers der Drainage von Flurstück
390/9 wurde höhenmäßig aufgenommen: sie befindet sich bei km
0+140 in 90 cm Tiefe (Rohrsohle DN 120 bei 491,65 m üNN). Die geplante
Gewässersohle liegt an der Kreuzungsstelle bei 492,08 m üNN. Zum Schutz des
Sammlers ist eine Halbschale aus Beton als Überdeckung vorgesehen. Zu
Beginn der Baumaßnahme wird ein Suchgraben im Bereich der Querung
gegraben, um die Lage des Sammlers zu vergewissern.
Die im Renaturierungsabschnitt auf Flst. 390/8 und 392 verlaufenden Sauger der
Drainage werden gekappt, der Sammler bleibt für die übrigen angeschlossenen
Flächen erhalten.

6.4

Zukünftige Pflege der Flächen Flst. 390/8 und 392
Zielsetzung ist eine eigendynamische Entwicklung des renaturierten Fischbachs.
Wenn der Biber erwartungsgemäß den neuen Bachlauf annimmt, können durch
Dammbauten großflächige Biberseen entstehen, die eine landwirtschaftliche
Grünlandnutzung beeinträchtigen oder unmöglich machen.
Flurstück 390/8 und 392 werden als artenreiche Wiese angesät, die extensiv mit
2 Schnitten (klassische Heuwiese) bewirtschaftet werden kann.
Die Hochstauden am Gewässer können bei Bedarf gemäht werden, um eine
Verbuschung, insbesondere im Bereich der Durchlässe, zu vermeiden.
Im Zuge der Gewässerunterhaltung müssen die Durchlässe km 0-07 und 0+190
regelmäßig auf Verklausung kontrolliert werden, damit der Abfluss gewährleistet
ist.

Stich Landschaftsarchitektin BDLA, Schillerstr. 1/4, 89077 Ulm

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Renaturierung Fischbach in Ulm-Unterweiler und Illerkirchberg

7.
7.1

Erläuterungsbericht

AUSWIRKUNGEN DES VORHABENS AUF DIE UMWELT
Konfliktanalyse
Der neue Bachlauf wird in Grünland angelegt, Gehölzrodungen sind nicht
erforderlich. Oberboden und Aushub werden getrennt entnommen und vor Ort
wieder verwertet. Der Aushub wird zur Geländemodellierung verwendet,
überschüssiger Oberboden wird auf dem angrenzenden Flst. 390/9 aufgebracht.
Bauzeitlich befahrene, verdichtete Böden werden wieder gelockert und angesät.
Geringe Konflikte entstehen durch den Einbau des Querdamms im alten Lauf
durch kurzzeitige Gewässertrübung. Im Zuge der Bauarbeiten am Durchlass km
0+12 unter dem Rad- und Wirtschaftsweg ist eine kurzfristige Wasserhaltung
erforderlich. Im Auslassbereich des Durchlasses werden Wasserbausteine zur
Ufersicherung eingebaut. Bei diesen Arbeiten entstehen ebenfalls kurzfristig
Gewässertrübungen. Die zeitlich begrenzten Beeinträchtigungen werden als nicht
erheblich eingeschätzt.
Der Biber als dämmerungs- und nachtaktives Tier wird durch die Bautätigkeiten
nicht wesentlich gestört.
Vogelbruten in angrenzenden Gehölzbeständen könnten bei einem Beginn der
Bauarbeiten in der Brutzeit gestört werden. Dies soll durch eine Bauzeit ab Juli
vermieden werden.

7.2

Auswirkungen auf das Abflussgeschehen
Wie die hydraulische Berechnung (Anlage 4 und Kapitel 6.2) zeigt, ist die
Abflusskapazität des renaturierten Bachabschnitts höher als im Bestand. Bei
einem zu erwartenden Einstau durch Biberdämme mit dem vom Biber
bevorzugten Wasserspiegel von 60-80 cm kann Hochwasser in der neu
angelegten Aue abfließen. Die angrenzende Fläche Flst. 390/9 wird durch eine
kleine Anböschung vor Überflutung geschützt.
Der bestehende Rückhalteteich am Brühlbach bleibt unverändert. Der alte
Bachlauf bleibt offen.
Die Sauger-Drainagen der Flurstücke 390/8 und 392 werden gekappt, so dass
das Wasser im Boden zurückgehalten wird. Der Sammler bleibt zur
Entwässerung der angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen erhalten.

7.3

Auswirkungen auf Gewässerökologie, Gewässereigenschaften
Durch die Verlegung und Renaturierung des Fischbachs wird die Voraussetzung
für eine zukünftig eigendynamische Entwicklung geschaffen. Das neue Bachbett
wird mit einem asymmetrischen, gegliederten Profil angelegt. Als morphologische
Strukturen werden Wurzelstöcke, Totholz, Steine und als Sohlsubstrat 15 cm
Kies Körnung 2-100 mm eingebracht, um für Gewässerorganismen vielfältige
Strukturen, Nahrungs- und Rückzugsräume zu schaffen.
Durch Initialpflanzung wird abschnittsweise ein Gehölzsaum entwickelt, die
besonnte Abschnitte werden als gewässertypischer Hochstaudensaum gestaltet.
Die Durchlässe sind mit Sohlsubstrat für Gewässerorganismen durchgängig
gestaltet.
Beeinträchtigungen der Wasserbeschaffenheit durch Trübungen treten zeitlich
begrenzt während des Baus auf, sie werden als nicht erheblich eingeschätzt.
Mit der Renaturierung wird der ökologische Zustand des Fischbachs wesentlich
verbessert.

Stich Landschaftsarchitektin BDLA, Schillerstr. 1/4, 89077 Ulm

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Renaturierung Fischbach in Ulm-Unterweiler und Illerkirchberg

7.4

Erläuterungsbericht

Auswirkungen auf Pflanzen, Tiere und ihre Lebensräume
Für die Verlegung und Renaturierung des Fischbachs ist keine Gehölzrodung
erforderlich. Beeinträchtigungen entstehen durch zeitlich begrenzte Störungen
während des Baubetriebs, sie werden als nicht erheblich eingeschätzt.
Der neue Bachlauf wird naturnah gestaltet, Wurzelstöcke, Totholz und Steine
schaffen für Gewässerorganismen vielfältige Habitatstrukturen. Der Biber wird
voraussichtlich Dämme bauen, um und seine bevorzugten Wassertiefe von 60-80
cm zu entwickeln. Hierdurch werden für Amphibien und Libellen weitere
Lebensräume geschaffen.
Mit der Anlage bachbegleitender feuchter Hochstaudenfluren und blütenreicher,
extensiver Wiesen werden Lebensräume für Insekten geschaffen und das
Nahrungsangebot für höhere Tiere verbessert.
Die bachbegleitenden Gehölze bieten Vögeln Nahrung und Brutplatz, zugleich
bieten sie dem Biber Nahrung und Baumaterial.
Mit der Renaturierung des Fischbachs wird der Biotopverbund gestärkt.

7.5

Auswirkungen auf Landschaft und Erholung
Ein naturnaher Bach mit Ufergehölzen, Uferstaudensaum und blütenreichen
Wiesen in der Aue ist für Naturliebhaber und Erholungssuchende attraktiv.
Einzelne Bäume werden mit Drahthosen vor dem Biber geschützt und bereichern
den Erlebniswert der Landschaft.

7.6

Auswirkungen auf agrarstrukturelle Belange
Der auf Gemarkung Unterkirchberg gelegene östliche Renaturierungsabschnitt
(Flst. 392) ist Teil der landwirtschaftlichen Vorrangflur 1, die aufgrund der sehr
guten Wirtschaftsfunktionen generell der landwirtschaftlichen Nutzung
vorbehalten werden soll. Aufgrund der Situationsgebundenheit der Renaturierung
durch Rückverlegung in den historischen Gewässerlauf besteht zu einer
Inanspruchnahme dieses Flurstücks keine Alternative.
Die Flurstücke 390/8 und 392, die von der Renaturierung betroffen sind, sind
zukünftig Gewässerrandstreifen. Sie sind, wie die Karte
Starkregenrisikomanagement der Stadt Ulm für Unterweiler zeigt, bei
Starkregenereignissen von
Überflutung betroffen. Beide Flurstücke werden als Grünland genutzt. Die
Auebereiche sollen weiterhin als extensives Grünland (klassische Heuwiese)
gepflegt werden. Unterstützend können hierfür Verträge nach der
Landschaftspflegerichtlinie abgeschlossen werden.
Die Zufahrten zu den angrenzenden Flurstücken 390/9, Gemarkung Unterweiler,
und 390, Gemarkung Unterkirchberg, über den unbefestigten Weg Flst. 385/9
werden erhalten.

7.7

Sonstige Auswirkungen
Negative Auswirkungen der Renaturierung auf Ober-, Unter-, An- oder
Hinterlieger, öffentliche Sicherheit und Verkehr, Wohnungs- und Siedlungswesen
sowie bestehende Gewässerbenutzungen sind nicht anzunehmen. Die bislang
bei Starkregen überflutbaren Landschaftsteile am Fischbach bleiben als
Retentionsraum erhalten.

Stich Landschaftsarchitektin BDLA, Schillerstr. 1/4, 89077 Ulm

18

Renaturierung Fischbach in Ulm-Unterweiler und Illerkirchberg

8.

Erläuterungsbericht

LITERATUR
Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V. (DWA):
Ingenieurbiologische Bauweisen an Fließgewässern: Teil 2: Planung, Umsetzung und
Erfolgskontrolle Entwurf Merkblatt DWA-M 620-2 Februar 2020
Flächennutzungsplan Nachbarschaftsverband Ulm (16.09.2010),
https://www.vianovis.net/nachbarschaftsverband-ulm/, Aufruf am 19.02.2020
Landesarchiv Baden-Württemberg LEO-BW historische Flurkarten, https://www.leobw.de/themen/historische-flurkarten, Aufruf am 29.04.2020
LfU (2002): Gebietsheimische Gehölze in Baden-Württemberg
http://fachdokumente.lubw.badenwuerttemberg.de/servlet/is/50159/gebietsheimische_geh
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LUBW (2007): Gehölze an Fließgewässern
LUBW Fließgewässertypologie
https://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/wasser/flie-gewaessertypologie
LUBW UDO Wasser/Wasserschutzgebiete,
https://udo.lubw.badenwuerttemberg.de/public/pages/map/default/index.xhtml?mapId
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8214.1794180274%2C5351366.08514449%2C577543.3624245634%2C5355826.60076
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LUBW
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https://udo.lubw.badenwuerttemberg.de/projekte/pages/map/default/index.xhtml, Aufruf am 29.04.2020
LUBW (2009): Naturräume Baden-Württembergs,
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LUBW UDO Schutzgebiete https://udo.lubw.badenwuerttemberg.de/public/pages/map/default/index.xhtml?mapId=9e23e7bf-a8e64e70-93399409ac86663d&mapSrs=EPSG%3A25832&mapExtent=565465.2805885068%2C53496
39.360454419%2C583143.2544447159%2C5358091.641704419&overviewMapCollapse
d=false, Aufruf am 29.04.2020
Regierungspräsidium Baden-Württemberg: Begleitdokumentation zum BG Donau (BW)
Teilbearbeitungsgebiet 64–Riß-Iller–Umsetzung der EG Wasserrahmenrichtlinie
(2000/60/EG) Stand: Dezember 2015,
https://rp.badenwuerttemberg.de/Themen/WasserBoden/WRRL/TBG64/TBG64Begleit20
15/01_Begleitdo kumentation_TBG_64.pdf, Aufruf am 29.04.2020
Regierungspräsidium Tübingen Biberbeauftragter: Einschätzung des
Lebensraumpotenzials für die am Fischbach ansässigen Biber (mdl. Mitteilung 2019)
Regierungspräsidium Tübingen (2018): Checkliste für die Planung von
Fließgewässerrevitalisierungen
Sommer R., et al. (2019): Der Einfluss des Bibers auf die Artenvielfalt semiaquatischer
Lebensräume – Naturschutz und Landschaftsplanung 51 (03) 2019

Stich Landschaftsarchitektin BDLA, Schillerstr. 1/4, 89077 Ulm

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Renaturierung Fischbach in Ulm-Unterweiler und Illerkirchberg

Erläuterungsbericht

Stadt
Ulm
(2020):
Starkregenrisikomanagement
(Karten
24,
27),
https://www.ulm.de/leben-in-ulm/umwelt-energie-entsorgung/wasser/starkregen, Aufruf
am 26.0.24.2021
Umweltbundesamt (2014): Hydromorphologische Steckbriefe der deutschen
Fließgewässertypen Anhang 1 von „Strategien zur Optimierung von
FließgewässerRenaturierungsmaßnahmen und ihrer Erfolgskontrolle“
https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/378/publikationen/texte_43_2
014_hydromorphologische_steckbriefe_der_deutschen_fliessgewaesssertypen_0.pdf
Wasserblick (2008): Fließgewässertypen / Typ 2 Fließgewässer des Alpenvorlandes
https://www.wasserblick.net/servlet/is/18727/02_Typ2_April2008.pdf?command=downloa
dContent&filename=02_Typ2_April2008.pdf
WBW Fortbildungsgesellschaft mbH und LUBW (2013): Ingenieurbiologische Bauweisen
an Fließgewässern
WBW Fortbildungsgesellschaft mbH (2001): Totholz in Fließgewässern

Stich Landschaftsarchitektin BDLA, Schillerstr. 1/4, 89077 Ulm

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