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Beschlussvorlage

                                    
                                        Stadt Ulm
Beschlussvorlage

Sachbearbeitung

BS - Bildung und Sport

Datum

27.10.2022

Geschäftszeichen

BS

Beschlussorgan

Schulbeirat

Behandlung

öffentlich

Betreff:

Bildungsregion Ulm - Sachstandsbericht des Bildungsbüros der Stadt Ulm 2022 -

Anlagen:

1

Sitzung am 01.12.2022

TOP
GD 425/22

Antrag:
1.

Vom Bericht Kenntnis zu nehmen.

Gerhard Semler

Zur Mitzeichnung an:
BM 2, C 2, KA, OB, SO, Z/CuV

Monika Schmid

Bearbeitungsvermerke Geschäftsstelle des
Gemeinderats:
Eingang OB/G
Versand an GR
Niederschrift §
Anlage Nr.

-2-

Sachdarstellung:
Zusammenfassende Darstellung der finanziellen Auswirkungen
Finanzielle Auswirkungen:
Auswirkungen auf den Stellenplan:

nein
nein

1. Ausgangslage
Die letzte Berichterstattung zum Sachstand des Bildungsbüros der Stadt Ulm erfolgte mit der GD
073/19 am 28.02.2019.
Zwischenzeitlich erfolgten mehrere projektbezogene Einzelberichterstattungen:
 GD 073/19 Bildungsregion - Sachstandsbericht des Bildungsbüros der Stadt Ulm
 GD 329/19 Bildungsnetzwerk Ulm/Neu-Ulm
 GD 317/20 Bildungsmonitor der Stadt Ulm 2020
 GD 318/20 Bildungswege Ulm - Projekt "Ulm macht Schule"
 GD 148/20 Bericht der kommunalen Bildungskoordination für Neuzugewanderte
 GD 142/22 Bildungscampus Eselsberg
 GD 333/21 Elternmentorenprogramm - Bericht
 GD 348/22 Inklusion an Schulen - Bericht AG Inklusion
Die Berichterstattung zum Sachstand des Bildungsbüros der Stadt Ulm erfolgt normalerweise in
einem jährlichen bis eineinhalbjährlichen Rhythmus. Pandemiebedingt verzögerte sich die
Berichterstattung, so dass nach der letzten Berichterstattung Anfang 2019 nun erst im Herbst 2022
berichtet werden kann.
2. Personalausstattung Bildungsbüro 2022
Das Bildungsbüro der Stadt Ulm ist mit 1,75 Stellen besetzt. Diese teilen sich auf drei Mitarbeitende
auf. Eine Honorarkraft mit einem Stundenumfang von ungefähr 6 Stunden / Woche für die
Koordinierung der Interkulturellen Elternmentor*innen rundet das Team ab.
Ende 2020 ist die vom Bund vollfinanzierte Vollzeitstelle für die Koordinierung der
Bildungsangebote für Neuzugewanderte ausgelaufen. Von Oktober 2021 bis Dezember 2021
unterstützte eine 25% Personalstelle die Digitalisierung der Bildungsmappe "Ulm macht Schule".
3. Das Bildungsbüro der Stadt Ulm im Krisenmodus
Mit Beginn der Corona-Pandemie wurden von den Mitarbeiterinnen im Bildungsbüro, wie in allen
Fachbereichen der Stadt Ulm, Sonder- und Zusatzaufgaben übernommen. Innerhalb der Abteilung
Bildung und Sport wurde dabei darauf geachtet, diese nach den Stärken der einzelnen Bereiche
aufzuteilen. Ein Schwerpunkt im Bildungsbüro lag auf der Zusammenstellung von Informationen für
den Schulbereich in enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt und dem Staatlichen Schulamt
Biberach. Neben den engen Abstimmungsprozessen lag die Herausforderung besonders in der
Tagesaktualität und der dynamischen Informationslage. Materialien zum Thema Fernlernen wurden
zusammengestellt und als Übersichten zur Verfügung gestellt. Neben der Erstversorgung mit
technischem Equipment wurde zudem das digitale Lernen zum Thema. Online-Schulungen für
Lehrkräfte und Bildungseinrichtungen zum Thema "Digitaler Unterricht" und "Digitales
Präsentieren" wurden organisiert und durchgeführt. Bildungseinrichtungen wurden bei der
Umgestaltung von Angeboten in den digitalen Raum unterstützt. Besonders erwähnenswert ist
dabei der digitale Schwörmontag 2020 für Schulen (siehe Anlage 1). Ab dem Schuljahr 2021/2022
lag der Fokus auf dem Themenbereich "Aufholen nach Corona". Besonders intensiv beschäftigte

-3sich das Team des Bildungsbüros mit dem Programm "Lernen mit Rückenwind". Anfangs wurden
außerschulische Einrichtungen zur Registrierung motiviert und unterstützt. Im Verlauf konnten
gezielte Kooperationsangebote zwischen Schulen und Partnereinrichtungen unterstützt werden.
Seit Februar/März 2022 ist als neues Thema der Krieg in der Ukraine und seine Auswirkungen
insbesondere für die Schulen in Ulm hinzugekommen. Im Bildungsbüro wurden hierfür kurzfristig
Kapazitäten freigesetzt. Zum einen wurde die Bildungsmappe "Ulm macht Schule" ins Ukrainische
und Russische übersetzt und bereits Anfang Mai an alle Schulen, Kitas und Multiplikator*innen in
Ulm verteilt. Zum anderen wurde und wird die Schulverwaltung beim schulischen Anmeldeprozess
unterstützt. Außerdem wurden vor den Sommerferien in Abstimmung mit der
Flüchtlingssozialarbeit Aktionen für geflüchtete Kinder unterstützt. Ein enger Austausch zwischen
den eingebundenen Fachkräften hilft dabei, sinnvolle Einsatzbereiche zu identifizieren.
4. 10 Jahre Bildungsbüro der Stadt Ulm / Bildungsregion Ulm
Die Anfangszeiten der Bildungsregion Ulm werden in den GDs GD 232/15 und GD 404/16 jeweils
in Anlage 1 ausführlich beschrieben. Bereits 2007 wurde mit der Aachener Erklärung „Bildung in
der Stadt“ des Deutschen Städtetages auf den Mehrwert der kommunalen Bildungslandschaften,
die mit einem ganzheitlichen Bildungsverständnis die gesamte Bildungsbiografie einschließlich
sozialer, kultureller und sportlicher Bildung einbeziehen sollten, hingewiesen und dem Thema
„Bildung“ auch auf Bundes- und Landesebene neuer Aufwind verschafft. Auf Bundesebene lieferte
die Münchner Erklärung „Bildung gemeinsam verantworten“ des Deutschen Städtetages im Jahr
2012 die Bestätigung der bisherigen Bemühungen. Die drei Ebenen (Kommune, Land, Bund)
müssen - so die Münchener Erklärung 2012 - gemeinsam die Verantwortung für die Bildung unter
Einbeziehung der Zivilgesellschaft und der Eltern bzw. Familien wahrnehmen und wahrnehmen
können. Für die Stadt Ulm spiegelt sich dies in der Vision des Fachbereichs Bildung und Soziales
wieder, in der es heißt „wir wollen allen Menschen, vor allem aber Kindern und Jugendlichen, den
gleichberechtigten Zugang zur Bildung im Sinne von Chancengerechtigkeit ermöglichen“.
Im Landesprogramm Bildungsregionen in Baden-Württemberg zählen die Bildungsregion Ulm und
das Bildungsbüro der Stadt Ulm als dessen Geschäftsstelle zu einer von 28 Bildungsregionen. Beim
Start 2010 waren es insgesamt 11 Bildungsregionen, die sich gemeinsam auf den Weg gemacht
haben, durch eine gute Zusammenarbeit vor Ort die Bildungs- und Teilhabechancen von Kindern,
Jugendlichen und Erwachsenen zu verbessern und so mehr Bildungsgerechtigkeit und
Bildungserfolg zu ermöglichen.
Seit 2010 ist dieses Vorhaben in der Stadt Ulm gut gelungen. Die Ergänzung der Verwaltung durch
eine pädagogische Expertise wurde seitdem an verschiedenen Stellen in der Abteilung Bildung und
Sport weiterverfolgt, was sich nicht zuletzt in der personellen Besetzung im neuen Sachgebiet
Bildung, Betreuung und Ernährung als weiteres Erfolgsmodell widerspiegelt.
Bei der Einrichtung des Bildungsbüros für die Stadt Ulm und der Teilnahme am Landesprogramm
"Bildungsregionen" war es von Beginn an ein großes Anliegen, die gute Grundlage in Ulm
aufzugreifen, diese weiterzuentwickeln und Themen sensibel und konkret zu unterstützen. Nicht
Zuständigkeiten, sondern der praktische Nutzen steht im Vordergrund. Gearbeitet wird nach den
Prämissen "Vermeidung von Doppelstrukturen" und "Bildung ist mehr als ´Gebäude, Lehr- und
Lernmittel`". Ein großer Mehrwert seit Einrichtung des Bildungsbüros für die Stadt Ulm ist sicherlich
auch der verstärkte Blick auf die interdisziplinäre und abteilungsübergreifende Zusammenarbeit,
innerhalb des Fachbereichs Bildung und Soziales, der Stadt Ulm und darüber hinaus, u.a. auch mit
anderen Bildungsregionen.
Allein ein Blick auf die vergangenen fünf Jahre zeigt, wie umfangreich die Expertise der
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bildungsbüro zum Einsatz kommt. Die Weiterentwicklung des
Bildungsstandorts Ulm war und ist dabei zentral. Ein beispielhafter Blick auf die Kernaufgaben und
dazu passenden Beispiele zeigt diese Vielfalt auf:

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a) Impulse setzen
Das Bildungsbüro setzt Impulse im Bildungsbereich. Dabei stehen die Ziele "Bildungsbiografien
ohne Brüche" sowie die Ermöglichung von "Bildungsgerechtigkeit und Teilhabe" im Mittelpunkt.
Impulse werden vor allem durch das jährliche Bildungsforum der Stadt Ulm gesetzt. Unter dem
neuen Titel "Bildung gestaltet Zukunft" wird jeweils ein aktueller bildungspolitischer Aspekt näher
beleuchtet, vertieft und diskutiert.
Hinzu kommen aktuell insbesondere drei Projekte, die die Erreichung einer "Bildungsbiografie ohne
Brüche" durch niedrigschwellige Informationen und Impulse unterstützen: 1. Das Netzwerk zur
Elternbegegnung "Nestwerk" mit dem Ziel, die Qualität in der Familienbildung durch einen roten
Faden entlang der Bildungsbiografie der Kinder zu fördern durch Transparenz, Niederschwelligkeit
und Anreize. 2. Der zentrale Elterninformationsabend am Übergang nach Klasse 4, der Eltern und
Erziehungsberechtigte bei der Schulwahl-Entscheidung durch einen Fachvortrag unterstützt. Der
Titel "Wie gelingt eine glückliche und erfolgreiche Schullaufbahn?" spricht dabei für sich. 3. Der
Berufswahlordner, der speziell für die Bildungsregionen Süd erstellt wurde und Lehrkräften,
Schüler*innen und Eltern/Erziehungsberechtigten ein Begleitmaterial im Berufsorientierungsprozess
bietet.
b) Modellprojekte
Im Bildungsbüro werden Modellprojekte angestoßen, getestet und durchgeführt, die bei Erfolg in
die Linienstruktur der Verwaltung übernommen werden können. Im Großen ist dies zuletzt
erfolgreich mit den Angeboten für Schulen im Bereich Kulturelle Bildung gelungen. Seit 2018
kümmert sich die Kulturvermittlung bei der Kulturabteilung um diesen Themenbereich.
Mit dem Bildungsnetzwerk Ulm/Neu-Ulm wird abteilungs- und städteübergreifend das Thema
Kooperationen von Bildungseinrichtungen begleitet. Neue Kooperationspartner*innen werden hier
stärker unterstützt, neue Projekte initiiert und so lange eng begleitet bis die Partner*innen keine
Unterstützung mehr durch das Bildungsnetzwerk Ulm/Neu-Ulm benötigen. Eine dauerhafte
Aufgabe bleibt es, für Transparenz im Bereich der Kooperationsangebote zu sorgen.
c) Netzwerke
Ein Beispiel für die erfolgreiche Zusammenarbeit verschiedener Akteur*innen und die Etablierung
von erfolgreichen Netzwerken ist die Zusammenarbeit in der AG Inklusion. Durch die Moderation
des Bildungsbüros ist es gelungen, einen regelmäßigen Austausch aller Fachkräfte zu etablieren,
um Prozesse abzugleichen, anzupassen und durch dieses abgestimmte Vorgehen für mehr
Transparenz zu sorgen. Außerdem pflegt das Bildungsbüro im Rahmen des Landesprogramms
"Bildungsregionen" einen engen Austausch mit anderen Koordinierungsstellen im Bereich Bildung
in Baden-Württemberg. In Zusammenarbeit mit anderen Bildungsregionen im Land entstehen
spannende neue Impulse und städteübergreifende Netzwerke, von denen alle Beteiligten
profitieren.
d) Information und Kommunikation
Ein weiterer wichtiger Baustein ist die zielgruppenspezifische Information und Kommunikation, die
besonders in den aktuellen Krisen gefragt war/ist. Hier unterstützt das Bildungsbüro die
Bereitstellung von niederschwelligen und gezielten Informationen, wie beispielsweise die Angebote
rund um die Bildungsmappe "Ulm macht Schule" und die Einrichtung der Interkulturellen
Elternmentor*innen.

-5-

e) Bildungsdaten
Die detaillierte Aufbereitung von Bildungsdaten durch das Team im Bildungsbüro erfolgte zuletzt
mit der Veröffentlichung des Bildungsmonitors der Stadt Ulm 2020 (GD317/20). Ein über diese
Bildungsberichterstattung hinausgehendes kontinuierliches Bildungsmonitoring findet aktuell nicht
statt. Der nächste Bildungsmonitor wird 2025 vorgelegt.
Zuletzt unterstützte das Bildungsbüro bei der Erstellung der Regionalen Schulentwicklungsplanung
(GD 164/22).
5. Der Blick in die Zukunft
Im Bildungsmonitor 2020 sind die Leitlinien und Ziele der Bildungsregion Ulm zuletzt veröffentlicht
worden. Vor allem die Leitlinien "Bildung, Betreuung, Erziehung als gesamtgesellschaftliche
Aufgabe" und "Herstellung von Chancengerechtigkeit und Ermöglichung von Teilhabe" prägen die
Arbeit im Bildungsbüro. Die zukünftige Ausrichtung der Tätigkeiten wird sich auch weiterhin daran
orientieren.
Das Bildungsbüro...
a) ... als Impulsgeber
Als Kernaufgabe und mit in die Zukunft gerichtetem Blick setzt das Team des Bildungsbüros auch
zukünftig Impulse für die Bildungsregion Ulm.
Aktuelle Planungen:
Das nächste Bildungsforum der Stadt Ulm am 11. Mai 2023 wird sich mit dem Thema Übergang
Schule-Beruf beschäftigen.
Das nächste 7x7 "Bildung und Kultur" beschäftigt sich mit dem Themenkomplex gesellschaftlicher
Zusammenhalt und Demokratiebildung.
b) .... schafft starke Netzwerke
Eine zentrale Aufgabe im Bildungsbüro ist es, Kompetenzen zusammenzuführen und zu vernetzen.
Die Zusammenarbeit von Professionen, Fachkräften, Multiplikator*innen und
Bildungspartner*innen soll letztendlich den Kindern und Jugendlichen zugutekommen und ihnen
gleichberechtigte Startchancen ermöglichen.
Aktuelle Planungen:
Der Schulbauprozess am Eselsberg (Bildungscampus Eselsberg) spiegelt die Schaffung eines starken
Netzwerkes wider. Neben den eigentlichen Bauprozessen geht es sehr intensiv um die Fragen der
multiprofessionellen Zusammenarbeit. Am Eselsberg wird angestrebt, dass alle zum Wohl der
Kinder und Jugendlichen zusammenarbeiten, alle Kinder in ihrer Vielfalt wahrgenommen werden
und in ihren Persönlichkeiten gestärkt werden. Das ist die Herausforderung der Zukunft.
c) ... unterstützt durch Information und Kommunikation
Transparente Information und Kommunikation ist ein wichtiges Ziel des Bildungsbüros.
Beteiligungsprozesse gelingen dann, wenn alle ausreichend informiert sind. Beteiligte am
Bildungssystem sollen zielgruppenspezifisch und niederschwellig über Inhalte, Programme und
Angebote informiert werden. Neben zielgerichteter Information unterstützt vor allem auch eine
gute Kommunikation die Zusammenarbeit. Ein gezielter Austausch über laufende Angebote und
geplante Vorhaben vermeidet Doppelstrukturen. Das Bildungsbüro bereitet Informationen
zielgruppenorientiert auf, verbreitet sie entsprechend und agiert als Schnittstelle für
Kommunikationsprozesse.

-6Aktuelle Planungen:
Mit der Bildungsmappe "Ulm macht Schule" gelingt eine transparente Information für Eltern und
Erziehungsberechtigte. Für die aktuell freigeschaltete Webversion www.ulm-macht-schule.de wird
derzeit die Öffentlichkeitsarbeit gestaltet (siehe auch 6.b).
d) ... liefert Bildungsdaten
Planungsprozesse können durch die Einbeziehung von statistischem Datenmaterial unterstützt
werden. Das Bildungsbüro sammelt Bildungsdaten und bereitet diese auf.
Aktuelle Planungen:
Als Zukunftsaufgaben im Bereich Bildungsdaten stellt sich die Frage nach einem kontinuierlichen
Bildungsmonitoring, welches schnell akute Entwicklungen aufzeigen und somit
Entscheidungsprozesse in der Bildungsregion Ulm noch stärker unterstützen kann als ein
Bildungsmonitor, der nur eine Bildungsberichterstattung in einem bestimmten Turnus liefert.
Weiterhin unbeantwortet ist zudem die Frage, wie sich Qualität im Bildungsbereich systematisch
messen lässt. Hier stellt die Operationalisierbarkeit von Qualität derzeit eine große Herausforderung
dar, welche nur sehr ressourcen- und personalintensiv gelöst werden kann.
6. Aktuelle Themen, Angebote und Projekte im Jahr 2022
In Anlage 1 ist ein ausführlicher Sachstandsbericht für das Jahr 2022 beigefügt. An dieser Stelle
werden drei Beispiele näher vorgestellt, die aufgrund ihrer bildungspolitischen Aktualität
ausgewählt wurden.
a) Das Bildungsnetzwerk Ulm/Neu-Ulm - Kooperationen stärken Kinder und
Jugendliche
Die Koordinierung und Vermittlung von außerschulischen und externen Kooperationspartner*innen
an Schulen, Kitas und andere Bildungseinrichtungen ist eine zentrale und notwendige Antwort auf
die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen, mit denen sich das Bildungssystem in
Deutschland konfrontiert sieht.
Die primäre Problemstellung ist dabei nach Soziologe und Hochschulprofessor Aladin El-Mafaalani
("Mythos Bildung. Die ungerechte Gesellschaft, ihr Bildungssystem und seine Zukunft. 2020.") die
wachsende soziale Ungleichheit und die daraus resultierenden heterogenen
Ausgangsbedingungen, mit denen die Kinder an die Kitas und Schulen kommen. Um diese
Differenz auszugleichen und Chancengerechtigkeit zu ermöglichen, müssen gerade mit Blick auf
den Personalmangel im Bildungssystem auch außerschulische Partner*innen und deren Ressourcen
mit einbezogen werden (können) und sinnvoll mit den Bildungseinrichtungen verknüpft werden.
Dabei spielen nicht nur fachliche Kompetenzen eine wichtige Rolle. Externe Fachkräfte aus
Jugendarbeit, Musik- und Sportvereinen und Unternehmen, sowie andere Akteur*innen im
Quartier der Bildungseinrichtung können vor allem im Bereich der Soft Skills sowie in der
Persönlichkeitsentwicklung der Kinder einen wichtigen Beitrag leisten. Im Rahmen einer
Schulkooperation können außerdem auch jene Kinder und Jugendliche erreicht werden, die
aufgrund ihres familiären Hintergrunds über weniger Ressourcen verfügen und die Angebote
außerhalb der Schule deshalb nicht nutzen (können). Auch vor dem Hintergrund des
Ganztagesanspruchs ab 2026 ist die Einbindung von bestehenden externen Vereins- und
Verbandsstrukturen eine entscheidende Hilfe und Unterstützung.
Die enormen Chancen, welche Kooperationen mit externen Partner*innen für Schulen und Kitas
bieten, entfalten jedoch nur dann ihre Wirkung, wenn Anknüpfungspunkte und Zusammenarbeit
planvoll und zielgerichtet ermöglicht und koordiniert werden. Die Rolle von Koordinierungsstellen
wie dem Bildungsbüro ist und bleibt damit von zentraler Bedeutung für eine gelingende Antwort
auf die aktuellen Anforderungen an das Bildungssystem.

-7-

Für das aktuelle Schuljahr 2022/23 können über das Bildungsnetzwerk Ulm/Neu-Ulm dank einer
großzügigen Spende zehn Kooperationsangebote durchgeführt werden. Sie alle haben zum Ziel,
Kinder und Jugendliche in ihren Kompetenzen zu stärken und ihre Persönlichkeitsentwicklung zu
unterstützen. Vier weitere Bildungseinrichtungen werden zurzeit vom Team im Bildungsnetzwerk
Ulm/Neu-Ulm eng begleitet. Der Botanische Garten entwickelt das Angebot des Grünen
Klassenzimmers für weiterführende Schulen weiter. Die BBU'01 steigt in das Thema eSports und
Medienkompetenz an einer Gemeinschaftsschule ein. Gemeinsam mit der AOK BadenWürttemberg entsteht ein Modellprogramm für gesunde Schulen in der Stadt Ulm. Das Roxy Ulm
weitet den Tanzbereich aus und testet mit einem AG-Angebot am Nachmittag eine Kooperation
mit einer Schule. Durch den kulturpädagogischen Hintergrund arbeiten bei diesem Projekt die
Kulturvermittlung der Stadt Ulm und das Bildungsnetzwerk Ulm/Neu-Ulm eng zusammen.
Einen lebendigen Einblick in die Arbeit des Bildungsnetzwerks Ulm/Neu-Ulm liefert der im
September 2022 fertig gestellte neue Imagefilm. Der siebenminütige Film ist auf der Website
www.bildungsnetzwerk-ulm.de abrufbar. Kurzversionen werden die Öffentlichkeitsarbeit ab
November 2022 abrunden.
b) Die Bildungsmappe "Ulm macht Schule" - niederschwellige Informationen für
Eltern und Erziehungsberechtigte
Eltern und Erziehungsberechtigte sind elementare Bildungsbegleiter*innen ihrer Kinder und prägen
deren Ausgangsbedingungen beim Eintritt in Kita und Schule entscheidend mit. Deshalb ist es
umso wichtiger, die Familien als Gesamtes einzubinden und durch ausreichende und
niederschwellige Informationen auf den Bildungsweg der Kinder mitzunehmen. Entscheidend sind
dabei vor allem die Transparenz und der Zugang zu den notwendigen Informationen. Gerade
Eltern/Erziehungsberechtigte aus prekären und bildungsfernen Lagen verfügen oft nicht über
ausreichend Ressourcen, Informationen eigenständig einzuholen. Diese Eltern fühlen sich schnell
abgehängt, inkompetent und überfordert. Dadurch entsteht die Sorge, das Kind nicht unterstützen
zu können, wenn es beispielsweise eine höhere Schulbildung anstrebt. Letztendlich entstehen so
resignative Strukturen, welche sich auf das Kind übertragen können.
Neben der emotionalen Perspektive kann mangelnde niederschwellige Information auch praktische
Folgen haben. Die bestehende Heterogenität in den Klassen verstärkt sich ohne Transparenz und
Zugang zu Informationen selbst. Während einige Familien ausreichend Ressourcen haben, um sich
aktiv einzubringen und die Teilhabe ihrer Kinder zu ermöglichen, erkennen Eltern aus
bildungsfernen Schichten die verfügbaren Angebote an Unterstützungsmöglichkeiten und
Bildungschancen, sei es aufgrund von Sprachschwierigkeiten oder anderer Sozialisation, nicht und
geraten in Gefahr, diese zu verpassen.
Mit ihren Angeboten können Koordinierungs- und Schnittstellen wie das Bildungsbüro hier aktiv
entgegenwirken und Lösungen anbieten. Exemplarisch dafür steht die Bildungsmappe "Ulm macht
Schule", welche in einfacher deutscher Sprache sowie in insgesamt neun Fremdsprachen die
Bildungsmöglichkeiten und Unterstützungsangebote in Ulm verständlich und übersichtlich darstellt.
Die Bildungsmappe wird von Beratungskräften und Pädagoginnen und Pädagogen direkt an
Bildungseinrichtungen eingesetzt und ist als Download verfügbar. Seit September 2022 sind die
Inhalte der Bildungsmappe auf einer interaktiven Website verfügbar. Auf diese Weise sind die
Inhalte direkt und niederschwellig für alle Interessierten zugänglich. Die Website ist unter dem Link
www.ulm-macht-schule.de zu erreichen. Die Inhalte sind unter einer creative common Lizenz
verfügbar, das heißt, dass auch andere Kommunen die Idee und Inhalte unkompliziert übernehmen
und an ihre Gegebenheiten anpassen können.

-87. Fazit und Ausblick
Die vergangenen drei Jahre haben gezeigt, dass das Bildungsbüro der Stadt Ulm gerade in
Krisenzeiten ein wichtiges Element der Stadtverwaltung und der Stadt ist. Die vorhandene
Kompetenz, sich aktuellen Herausforderungen zuzuwenden und dafür notwendige Materialien
aufzubereiten und Kommunikationsprozesse anzustoßen hat sich auch in der Krise bewährt.
Natürlich können im Krisenmodus die bisherigen Strukturen und geplanten Angebote nicht alle wie
gewohnt aufrechterhalten werden. Dennoch flossen und fließen einige der "normalen" Tätigkeiten
und die damit einhergehende Expertise aus dem Team des Bildungsbüros direkt in die Prozesse zur
Krisenbewältigung ein.
Die Auswirkungen der vergangenen beiden Jahre werden uns weiterhin begleiten und
möglicherweise durch neue Ausnahmesituationen ergänzt werden. Die zentrale Herausforderung
der Zukunft ist es also, die eigentlichen Tätigkeiten des Bildungsbüros weiterzuentwickeln und
dabei flexibel auf aktuelle Begebenheiten eingehen zu können.